Oldenburg - Der Vorgang ist eher ungewöhnlich: Das Amt für Teilhabe und Soziales hat Einwände gegen den Neubau einer Wohn- und Pflegeeinrichtung an der Schinkelstraße erhoben. Hinter dem Lidl-Markt an der Alexanderstraße will die Rotenburger Planungsgemeinschaft Nord im Auftrag der Residenz-Gruppe Bremen auf dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück ein zwei- bis viergeschossiges Gebäude errichten, in dem 71 Pflegezimmer für ältere Menschen sowie elf Wohnungen untergebracht werden sollen. Geplant sind zudem zwei Gewerbeeinheiten – zum Beispiel für eine Bäckerei mit Café oder einen Frisör. Die notwendigen Stellplätze sollen in einer Tiefgarage untergebracht werden. Der Haupteingang soll sich an der Südwestseite des Gebäudes befinden. Neben dem großen Foyer im Erdgeschoss sind neben den Zimmern der Essbereich, die Küche und Lagerräume vorgesehen.
In einer Stellungnahme, die der NWZ vorliegt, hatte das Amt für Teilhabe und Soziales kritisiert, dass mit dem geplanten Bauvorhaben ein überaltertes Altenwohn- und Pflegeheimkonzept realisiert werden soll, das mit seinem reduzierten Qualitätsbegriff nicht mehr in die heutige Pflegelandschaft passt. Zukunftsorientierte Konzepte setzten insbesondere auf die individuelle Lebensqualität als Maßstab. Das vorliegende Konzept sei in diesem Sinne als unattraktiv anzusehen. Ferner wurden Sicherheitsbedenken im Evakuierungsfall erhoben.
In den bisherigen Gesprächen mit dem Investor/Planer wurde auf die hohe Versiegelung durch das Vorhaben hingewiesen und eine Reduzierung des Bauvolumens empfohlen. Die Inanspruchnahme der nordwestlich und nordöstlich angrenzenden Rad-/Fußwege zur Einhaltung der notwendigen Grenzabstände wird als ein Indiz für das zu große Bauvolumen auf einem relativ kleinen Grundstück gesehen. Die Residenz-Gruppe Bremen als Aufraggeber hat beispielsweise die Seniorenwohnanlage auf dem ehemaligen Sportplatz in Friedrichsfehn gebaut.
An der Schinkelstraße sollen sich auf jeder Etage große Aufenthaltsbereiche mit Wohnküche, in denen gemeinsam gegessen werden kann, befinden. Ein Geburtstagszimmer bietet die Möglichkeit, Familienfeiern im privaten Rahmen stattfinden zu lassen. Die medizinische Versorgung wird durch ein separates Arztzimmer optimiert. Im Sommer können die Senioren die frische Luft auf der großen, begrünten Dachterrasse genießen. Die Wohn- und Nutzfläche beträgt insgesamt in dem Gebäudekomplex 1002 Quadratmeter. Damit wirbt das Unternehmen auf seiner Homepage im Internet. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan für das Projekt wurde zur weiteren Beratung in die zuständigen Ausschüsse zurückverwiesen.
Rolf Specht, Geschäftsführer der Residenz-Gruppe, kündigte am Donnerstag auf Nachfrage der NWZ Gespräche mit den beteiligten Oldenburger Ämtern der Stadtverwaltung an, um die Pläne gegebenenfalls zu überarbeiten. Ziel sei es, in dem Stadtteil eine Wohnmöglichkeit für Seniorinnen und Senioren zu schaffen, die im Alter nicht wegziehen wollen. Die Anlage sehe auch eine sehr kostengünstige Wohnung für junge Leute/Studenten vor, die sich in der Altenarbeit engagieren können.
