Kirchhatten - Ernst Steenken macht nicht mehr mit. 80 Kühe hat der Landwirt früher täglich gemolken, sich dabei immer über die niedrigen Preise für Milch geärgert, und immer nach einem Weg gesucht, um dem Hof eine Zukunft zu geben.

Mit 40 Kühen hatten der Landwirt und seine Frau Anja am alten Standort des Hofes mitten in Kirchhatten angefangen, seit der Umsiedlung an den Twiestweg war der Bestand auf 80 Tiere angewachsen. Gelohnt hat sich die Arbeit immer weniger, besonders wegen der steigenden Pachtpreise, sagt Steenken. „Hier sind kürzlich Flächen für 1600 Euro verpachtet worden. Um das rauszubekommen müsste ich für die Milch 60 Cent bekommen, üblich waren 30 bis 33 Cent.“

Spätestens wenn die Milchquote 2015 wegfällt, da ist Steenken überzeugt, werden Investoren in großem Stil in Milchvieh investieren – Pläne für Ställe mit 3200 Kühen gebe es bereits. Steenken selbst hat die Empfehlung bekommen, Platz für 200 weitere Tiere zu schaffen. „Ich habe nur gefragt, wo das Futter herkommen soll – bei den Flächenpreisen“, sagt der Landwirt.

Die Kosten und das Risiko der Erweiterung wollte Steenken nicht auf sich nehmen. Das Wachstum der Höfe von vielen Kollegen beobachtet er mit Kopfschütteln. Nur wenige Landwirte hätten das nötige Kapital, die meisten müssten sich erheblich verschulden – gleich ob sie einen Stall oder eine Biogasanlage bauen wollten. „Wenn das schiefgeht stehen die Investoren bereit, der Landwirt ist dann plötzlich nur noch Angestellter“, meint der Kirchhatter. Dass viele seiner Berufskollegen seine Zweifel am Wachstumskurs nicht nachvollziehen können, weiß Steenken.

Er hat doch einen anderen Weg gewählt, die Milchviehhaltung aufgegeben. Einen Teil des Graslandes behält er, ebenso wie einige Rinder für die Fleischproduktion. Den Rest seines Landes hat er verpachtet – dort wächst jetzt Mais für eine Biogasanlage.


Glücklich damit ist er ganz und gar nicht. „Es reißt mir ein Riesenloch ins Herz“, sagt Steenken. Aufzuhalten sei die Industrialisierung der Landwirtschaft aber ohnehin kaum noch, glaubt er – und er müsse den Lebensunterhalt der Familie sichern.

An eine Trendwende unter der neuen Landesregierung glaubt Steenken noch nicht. „All das was in den letzten Jahren gebaut wurde, kann ein neuer Minister den Landwirten doch nicht wieder wegnehmen“, sagt er. Ein wenig Hoffnung, dass es die Regierung mit der Stärkung von bäuerlichen Familienbetrieben wirklich ernst meint hat er aber: „Ich bleibe Landwirt im Vollerwerb und mein Land ist ja nicht weg – vielleicht wird es ja auch wieder anders.“  Über seine Sicht auf den Boom der Agrarbranche berichtet Steenken auch in einem Beitrag des NDR-Fernsehen an diesem Montag, 25. März, ab 22 Uhr.