Bad Zwischenahn/Kapstadt - „Aufregend und anstrengend zugleich“ – so lautet das Fazit von Gerold Meints. Gemeint ist damit die Zusammenkunft der International Thatching Society (Internationale Reetdachdecker-Vereinigung). Die fand in Südafrika statt. Als Gast der Reetdachdecker-Innung Mecklenburg-Vorpommern, der Meints angehört, war er zum dritten Treffen geflogen.

Schon der Auftakt sei „voller Eindrücke“ gewesen, so Meints: „Rein in den Bus und zum Voortrekkerdenkmal – sehr imposant. Durch das Regierungsviertel fahren, Nelson Mandela als Statue ansehen, das Paul-Kruger-Haus und vieles mehr.“ Natur und Landschaft standen die Tage darauf mit Blyde River Canyon und Krüger-Nationalpark im Mittelpunkt.

Eigentliches Ziel der Reise aber war Kapstadt. „Dort trafen wir auch auf die ersten Teilnehmer des Treffens: Schweden, Holländer, Dänen, Japaner und Engländer. Jetzt waren wir eine Gruppe von fast hundert Teilnehmern.“

In den folgenden Tagen haben die Reetdachdecker so einiges gemeinsam besichtigt: Reetdachhäuser, die neu eingedeckt wurden, Weingüter, die mit südafrikanischem Gras gedeckt sind. „Natürlich durfte auf einem Weingut die Weinprobe nicht fehlen“, erzählt Meints schmunzelnd.

Ein weiterer Höhepunkt sei ein Aktionstag gewesen. Auf einem Firmengelände wurden ein Gazebo (Pavillon) mit Reet-Gras sowie zwei Gestelle mit unterschiedlich behandeltem Reet-Gras eingedeckt – für eine spätere Brennprobe. „In Südafrika gibt es unterschiedliche Grassorten die zum Eindecken von Dächern verwendet werden“, erläutert Meints das Material, das aussehe wie hiesiges Reet.


Dachdecker aus den teilnehmenden Nationen deckten die Gestelle ein – und informierten sich über die jeweiligen Besonderheiten. „Der Japaner lässt die Traufe weiter überstehen, der Engländer arbeitet den Abschluss an der First anders, und der Holländer macht viele Steilwände mit Reet.“

Für die „Olympischen Spiele“ stellte jede Nation eine Mannschaft aus fünf Teilnehmern. Die Disziplinen: Grasbund-Weitwurf und -Zielwerfen sowie Nageleinschlagen. „Im Weitwerfen wurden wir zum dritten Mal Zweite, die Holländer wieder Erster.“ Im Nageleinschlagen reichte es zum ersten Platz, wie auch für die Frauen-Mannschaft.

Breiten Raum nahm auch der gegenseitige Austauschein. So hätten die Holländer berichtet, neben dem üblichen Reet künftig mehr Kunstreet nutzen zu wollen. Und die Reetdachdecker aus Mecklenburg warben für ihr Ansinnen, das Reetdachdecken zum immateriellen Weltkulturerbe zu ernennen.

Die ITS ist eine noch relativ junge Vereinigung. Sie wurde im August 2011 in Dänemark gegründet. Das zweite Treffen fand 2012 in Lübeck statt, das dritte nun in Kapstadt. „Zum nächsten Treffen haben die Schweden für August 2015 eingeladen. Darauf freuen wir uns schon jetzt“, so Reetdachdecker Gerold Meints.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)