Wolfsburg - Der Volkswagen-Konzern steht nach Ansicht des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer nach dem Rückzug des früheren Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch vor einer wirtschaftlich unsicheren Zukunft. „Die Zukunft des VW-Konzerns wird ungewisser“, sagte der Professor für Automobilökonomie an der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

Eine notwendige strategische Neuausrichtung der Kernmarke VW sei in der neuen Führungs-Konstellation schwer vorstellbar. „Piëch hat seinen Machtkampf verloren. Wolfgang Porsche, die Arbeitnehmervertreter um die Gewerkschaftler Osterloh und Huber sowie das Land Niedersachsen erscheinen als die großen Gewinner. Ob der VW-Konzern, seine Aktionäre und Mitarbeiter damit langfristig auf der Gewinnerseite sind, ist ungewisser denn je“, erklärte Dudenhöffer der NWZ .

Der 78-jährige Piëch hatte am Sonnabend mit sofortiger Wirkung sein Amt aufgegeben, wie VW mitteilte. Begründet wurde dies mit einem zerrütteten Verhältnis zu den anderen Mitgliedern des innersten VW-Machtzirkels – dem Betriebsrat, dem Land Niedersachsen und der Familie Porsche. Piëch war vor zwei Wochen von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn abgerückt. Dies hatte einen Machtkampf ausgelöst, der auch zu einem Konflikt zwischen den Familien Porsche und Piëch führte. Sie halten die Stimmenmehrheit an VW.

Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber übernimmt im Aufsichtsrat kommissarisch den Vorsitz. Auch Piëchs Ehefrau Ursula gibt ihr Mandat im Aufsichtsrat ab.

„Die Diskussion der vergangenen zwei Wochen ist schädlich gewesen für Volkswagen“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in Hannover. Das Präsidium des Aufsichtsrates habe deshalb die „notwendige Klarheit“ schaffen müssen.


Während einer Fraktionsreise nach Israel sagte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Björn Thümler (Berne), der NWZ : „Das ist eine tiefe Zäsur. Es bleibt zu hoffen, dass es sich nicht um eine Familienfehde handelt.“ VW brauche nun „Stabilität und Kontinuität in der Führung.“

Dr. Alexander Will
Dr. Alexander Will Mitglied der Chefredaktion (Überregionales), Leiter Newsdesk