[/AUTOR] - BREMERHAVEN - Ein markantes Gesicht unter der großen Kapuze eines Pelzanoraks, zwischen den Lippen eine Tabakspfeife – so zeigt eine der letzten Fotografien Deutschlands wohl berühmtesten Polarforscher Alfred Wegener (1880-1930). Der international anerkannte Geowissenschaftler, Meteorologe, Klimatologe und Astronom brach vor 75 Jahren zu seiner größten Grönland-Expedition auf. Doch diese Reise stand unter keinem guten Stern. Schlechtes Wetter machte den Teilnehmern zu schaffen, und Wegener starb im November 1930 bei eisiger Kälte. Ein Suchtrupp fand seine Leiche erst im Mai 1931.

Der Ruhm des gebürtigen Berliners gründet vor allem auf der Theorie der Kontinentalverschiebung, die er mitbegründet und bekannt macht. Seine größte Leidenschaft gilt jedoch der Arktis. Über seine erste Grönlandexpedition (1906-1908) schreibt er: „Ich habe eine Reihe kleiner, aber wertvoller Erfahrungen gemacht. Wie man einen zerbrochenen Schlitten repariert, wie man am schnellsten die Zugriemen der Hunde klart, wie man verhindert, dass die Hunde nach dem Halten durcheinander laufen."

Wegener bricht 1912 mit drei Begleitern zu seiner zweiten Grönland-Expedition auf. Die Gruppe will an der Ostküste überwintern und anschließend die Insel mit Pferdeschlitten durchqueren. Keines der 16 Islandponys überlebt. Auch die Männer entkommen dem Tod nur knapp, als sie einen plötzlich kalbenden Gletscher erklettern.

Am 1. April 1930 beginnt mit 21 Wissenschaftlern und Technikern die „Deutsche Grönland Expedition" Alfred Wegeners. Zur Untersuchung polarer Luftströmungen sollen drei dauerhafte Stationen eingerichtet werden. Doch ungünstige Eisverhältnisse verzögern den Beginn. Mit 15 Hundeschlitten und 14 Begleitern startet Wegener am 21. September 1930 zu den Kollegen in der nur halb fertigen Station „Eismitte". Schlechtes Wetter zwingt die meisten Teilnehmer der Versorgungsfahrt bald zur Umkehr. Doch Wegener, der Meteorologe Fritz Loewe und der Grönländer Rasmus Villumsen erreichen am 30. Oktober ihr Ziel. Am übernächsten Tag, nach einer kleinen Feier seines 50. Geburtstags, macht sich Wegener mit Villumsen auf den gefahrvollen Rückmarsch zur Weststation. Keiner von beiden kommt dort an.

In der Tradition der Arbeiten Wegeners untersucht seit 25 Jahren das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven das Eis im Zentrum Grönlands. Unter anderem soll das „Greenland Icecore Project" wichtige Klimadaten erschließen. Die Analyse des Eises soll es ermöglichen, ein Klimabild der vergangenen 200 000 Jahre zu zeichnen.


Informationen auch unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/geschichte/wegener-d.html)