Dearborn - Dass dieser Farmersjunge mal Geschichte schreiben würde, hätte bei der Geburt 1863 sicherlich niemand gedacht: Henry Ford revolutionierte mit seiner Fließband-Arbeit die noch junge Autobranche. Damit machte er die knatternden Kisten zugleich für die breite Masse erschwinglich. Manche sagen, er habe damit die Welt so sehr verändert wie nur wenige andere Menschen. Seine Firma existiert bis heute, wenngleich sie so manche Krise überstehen musste. An diesem 30. Juli wäre Henry Ford 150 Jahre alt geworden.
Zunächst sah es nicht danach aus, dass der begabte Erfinder und Techniker Ford auch als Geschäftsmann ein gutes Händchen haben würde. Zweimal fiel er bei Firmengründungen auf die Nase. Erst beim dritten Mal hatte er mit seiner Ford Motor Company endlich Erfolg.
Anders als seine elf Geldgeber und die Konkurrenz wollte Ford aber keine Wagen für die gut betuchte Kundschaft auf die Räder stellen. Er träumte davon, einen Wagen für den kleinen Mann zu bauen.
Mit dem legendären „Model T“ gelang es ihm. Der Wagen wird zum Verkaufsschlager, vor allem weil es Henry Ford später schaffte, mit Fließband-Arbeit die Kosten massiv zu senken. Ein Mann, ein Handgriff lautet die Devise. Statt zwölf Stunden dauerte es nun nur noch anderthalb Stunden, bis ein Auto montiert war.
Der Preis purzelte von 825 auf 260 Dollar. Extras gab es keine. Angeblich hat Ford gesagt, der Kunde dürfe sich jede Farbe aussuchen – so lange sie schwarz sei.
Die „Tin Lizzie“ oder „Blechliesel“ verkaufte sich zwischen 1908 und 1927 mehr als 15 Millionen Mal. Erst der VW Käfer sollte Jahrzehnte später mehr Fans finden. Das „Model T“ veränderte das Gesicht Amerikas, vor allem in den ländlichen Gebieten, die bis dahin vielfach abgehängt waren. Weil Ford seinen Mitarbeitern zudem überdurchschnittlich hohe Löhne zahlte (und dann auch zahlreiche Nachahmer), wuchs die Mittelklasse – und damit gab es auch mehr Autokäufer.
Die Firma expandierte parallel ins Ausland, 1925 auch nach Deutschland. Noch heute produziert sie hier.
Henry Ford war zu jener Zeit so etwas wie der Rockstar des Autobaus, gut bekannt mit vielen Prominenten und sogar Präsidenten. Mit dem gewieften Erfinder und Unternehmer Thomas Alva Edison verband ihn eine besonders lange Freundschaft. Ford hatte in einer von Edisons Elektrofirmen seine Karriere begonnen. Mit dem Einzug in den US-Senat scheiterte Ford allerdings.
1919 übergab Henry Ford die Firma offiziell an seinen einzigen Sohn Edsel. Nachdem Edsel 1943 mit nur 49 Jahren starb, übernahm Henry Ford wieder das Steuer. Da war er schon 80 Jahre alt.
1945 gab Henry Ford den Chefposten zum zweiten Mal ab – an seinen ältesten Enkel Henry Ford II. Der führte Ford mit modernen Managementmethoden und frischen Modellen zu neuer Blüte.
Firmengründer Henry Ford starb 1947. Doch bis heute wacht die Familie Ford über ihr Unternehmen, auch wenn es seit 1956 an der Börse notiert ist. Bill Ford, der Urenkel von Henry Ford, steht dem Verwaltungsrat vor. Henry Fords Werk überlebte alle Krisen. Ford war sogar der einzige der drei US-Autokonzerne, der ohne staatliche Hilfe durch die Krise 2009 kam.
