Schortens - Dass die Wohnanlage der Arbeiterwohlfahrt in Heidmühle im vergangenen Frühjahr durch Versäumnisse in der Pflege (die NWZ berichtete) in einem schlechten Licht dastand, hat im AWo-Bezirksverband Weser-Ems die Alarmglocken läuten lassen. Und in der Öffentlichkeit entfachte das eine Diskussion über Pflegestandards.
Wie berichtet, ging es bei den damaligen Missständen unter anderem um nicht eingehaltene Lagerungsintervalle, Vernachlässigungen bei der Ernährung der Patienten und um lückenhafte Pflegedokumentation.
Ein Dreivierteljahr ist seitdem vergangen. Und laut AWo-Bezirksverband Weser-Ems seien die Pflegeprobleme inzwischen gelöst. So haben nicht nur die drei für die Versäumnisse verantwortlichen Mitarbeiter das AWo-Heim in Schortens verlassen müssen und wurden durch eine neue Führungsmannschaft ersetzt, erläuterte der Prokurist der AWo Wohnen & Pflegen Weser-Ems GmbH, Eckhard Kroon, am Dienstag.
Mängel abgestellt
Vor allem sei es aber gelungen, die von der Heimaufsicht festgestellten gravierenden Mängel abzustellen: „Es gibt hier nichts mehr zu beanstanden“, sagte Kroon im Beisein des Qualitätsmanagement-Beauftragten Herbert Ludwig, des stellvertretenden AWo-Bezirksvorsitzenden Dr. Lothar Knippert und Renate Mögling vom Heim-Beirat. Kroon zufolge ist der für die AWo Weser-Ems gewohnt hohe Qualitätsstandard wieder erreicht worden.
Eine kürzlich erfolgte Überprüfung durch den Medizinischen Dienst habe für die AWo-Einrichtung in Heidmühle bei Pflege und medizinischer Versorgung, im Umgang mit demenzkranken Patienten, in der sozialen Betreuung und Alltagsgestaltung sowie der Wohnsituation, Verpflegung und Hygiene eine Gesamtnote von einer 1,0 ergeben, berichtete Kroon.
Die neue Führung habe sich der großen Herausforderung gestellt, so der AWo-Prokurist. Er sei stolz, das es gelungen sei, dass Blatt wieder zum Guten zu wenden.
Gleichwohl gebe es immer etwas zu verbessern. Vor allem, was die Personalstärke und die Fachkräfte-Quote angehe, aber das sei vor allem eine politische Frage. Und die lautet, was einer Gesellschaft der Dienst am Menschen wert sein sollte.
So bleibt Kritik – nicht an der AWo im Besonderen, die die Missstände vor Ort behoben hat, sondern am umstrittenen Bewertungssystem des Medizinischen Dienstes, der regelmäßig Bestnoten vergibt. Selbst in dem Jahr, als die AWo-Einrichtung in Heidmühle in der Kritik stand, stand das Haus mit einer 1,4 auf dem Papier „sehr gut“ da.
„Sehr gut“ nicht sehr gut
Etliche Heimleiter anderer Häuser wie auch MDK-Mitarbeiter selbst kritisieren die Pflegenoten. So bedeute eine Pflegenote von 1,0 nicht, dass auch das entsprechende Pflegeheim „sehr gut“ ist. In vielen Einrichtungen fehle es an qualifizierten Pflegefachkräften.
Doch unzureichende Pflege und Betreuung könne durch gute Pflege-Dokumentation ausgeglichen werden. So könne durch rein schriftliche Veränderung des Pflege-Konzepts eine Pflegenote verbessert werden. Denn es sind die Krankenkassen, die mit den Pflegeheim-Betreibern die Kriterien für die MDK-Noten ausgearbeitet haben. Deren Interesse ist, dass Pflege möglichst wenig kosten darf.
