Hude - „Es stimmt wirklich, dass die Engländer so viel Tee trinken, ich dachte das wäre nur ein Vorurteil“, sagt Christopher Behrendt. Ob noch weitere Vorurteile zutreffen, davon konnte sich der 20-Jährige genau wie seine Azubi-Kollegen Dennis Hollmann (19) und Larissa Oetjen (19) kürzlich selbst überzeugen.
Denn die drei Auszubildenden der Firma Labom nahmen an dem EU-Förderprogramm Leonardo Da Vinci teil. Innerhalb dieses Programms verbrachten Hollmann und Behrendt vier Wochen in der Stadt Totness im Südwesten Großbritanniens. Larissa Oetjen war drei Wochen in Bournemouth.
Für alle drei Auszubildenden stand in der ersten Woche ein Englisch-Sprachkursus auf dem Programm. Ihre Klassenkameraden dort stammten unter anderem aus Südamerika, Asien, dem arabischen Raum, aber auch aus europäischen Ländern wie Spanien.
Nach dem Sprachkursus absolvierte Christopher Behrendt, der eine Ausbildung zum Systemelektroniker macht, sein Praktikum bei einer Firma, die Messgeräte und Tauchsonden produziert. „Der Betrieb war super, aber leider genau am anderen Ende der Stadt“, erzählt der 20-Jährige.
Zeichnungen in Inch
Er würde den vierwöchigen Auslandsaufenthalt auf jeden Fall weiter empfehlen. „Meine Englischvorkenntnisse waren gut, aber ich habe vor allem viele englische Fachausdrücke gelernt. Es hat sich gelohnt“, sagt Behrendt, gerade weil er an der Berufsschule keinen Englisch-Unterricht habe.
Sein Azubi-Kollege Dennis Hollmann, der eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker macht, absolvierte sein Praktikum in einer Schlosserei, in der alte Lokomotiven repariert werden. Neben der anfänglichen Sprachbarriere stand er vor einem ganz anderen Problem: „Die Zeichnungen mit denen wir dort gearbeitet haben, waren in Inch statt in Zentimeter. Da musste ich schon erstmal umdenken, als ich die Maße aus der Skizze auf ein Werkstück übertragen sollte,“ sagt Hollmann.
Die 19-jährige Larissa Oetjen wird zur Industriekauffrau ausgebildet. Sie arbeitete während ihres Praktikums nach dem Sprachkursus für zwei Wochen in einem Hotel in Bournemouth. An der Rezeption konnte sie das Gelernte gleich anwenden. Aber zu ihren Aufgaben gehörte auch die Arbeit im Sales-Office. „Die Arbeit am PC hat mir am meisten Spaß gemacht“, sagt die 19-Jährige.
Englisch im Job gefordert
In einem englisch-sprachigen Betrieb zu arbeiten sieht Labom-Geschäftsführer Lutz Burmeister als wichtige Erfahrung für seine Auszubildenden. „Die Möglichkeit, in einem englischen Betrieb zu arbeiten, hat man sonst nicht so schnell. Wir fördern das sehr“, sagt Burmeister.
Aus seiner Sicht werde gerade die englische Sprache an vielen Stellen im Berufsleben gefordert, auch bei Labom. „China ist zum Beispiel für uns ein wichtiger Partner“, sagt Burmeister. Korrespondiert wird auf Englisch.
Organisiert wurde der Auslandsaufenthalt über die Berufsbildende Schule in Wildeshausen, die an dem EU-Programm teilnimmt. Untergebracht waren die Auszubildenden während des Auslandsaufenthalts in Gastfamilien. So konnten sich die drei schnell an die Fremdsprache gewöhnen.
„Durch die Unterbringung in englischen Gastfamilien sind die Auszubildenden gezwungen, Englisch zu sprechen, das ist dann ein großer Lerneffekt“, sagt Lutz Burmeister. „Die Hemmschwelle, mit Leuten aus anderen Ländern zu reden, ist weg“, sind sich die drei Auszubildenden einig.
In ihren Gastfamilien haben sich die Lehrlinge wohlgefühlt. „Meine Gastfamilie hat immer extra langsam gesprochen, damit ich sie leichter verstehe“, erzählt Larissa Oetjen.
Für Christopher Behrendt hatte seine Gastfamilie sogar Ausflüge zu nahegelegenen Sehenswürdigkeiten organisiert, und Dennis Hollmann hat mit seinen Gastgeschwistern in seiner Freizeit auch mal Fußball gespielt oder an der Konsole gezockt. Einziges Manko für den Fleischliebhaber war, dass er in einer Familie untergebracht war, die sich vegetarisch ernährte. „Aber auch da wusste ich mir zu helfen, ich bin dann abends noch mal in die Stadt gegangen und habe mir etwas zu Essen geholt“, sagt Dennis Hollmann und schmunzelt.
