Hannover - Es ist ein Leben an der Schwelle des Todes: Rund 11 000 sterbenskranke Menschen warten bundesweit auf ein Spenderorgan. Täglich hoffen sie auf den erlösenden Anruf mit der Nachricht: „Wir haben ein Organ für Sie.“

Auf der Warteliste der Vergabeorganisation Eurotransplant standen im Oktober auch 112 Kinder unter 16 Jahren allein aus deutschen Transplantationszentren. Von dem dramatischen Rückgang der Spendenbereitschaft in Deutschland seien sie bisher aber nicht betroffen, berichtet der Medizinischer Direktor von Eurotransplant, Axel Rahmel. Dies habe damit zu tun, dass Kinder und Jugendliche bei der Verteilung der Organe bevorzugt werden.

Von den 112 Kindern auf der Warteliste benötigten 55 eine Niere, 41 eine Leber und 19 ein Herz. Während Erwachsene im Schnitt sechs bis acht Jahre auf eine Spenderniere warten, sind es bei Kindern weniger als zwei Jahre. Sie werden schneller berücksichtigt, weil sie sich ohne Transplantation wegen der permanenten Vergiftung ihres Körpers nicht so entwickeln können wie ihre Altersgenossen.

„Die Entwicklungsrückstände sind sehr schwierig wieder einzuholen“, sagt der leitende Arzt des KfH-Kindernierenzentrums an der Medizinischen Hochschule Hannover, Prof. Lars Pape. Das Transplantationszentrum an der MHH ist eines der größten in Deutschland.

Die Transplantation ermögliche Kindern mit Krankheiten, die früher auf jeden Fall tödlich waren, die Chance auf ein neues Leben, betont Pape und erzählt von Carolina. Das Mädchen kam im Januar mit einer sehr seltenen genetischen Erkrankung zur Welt. Weil sich Zysten in ihren Nieren bildeten, wurden diese funktionsunfähig. Im Mai transplantierte Papes Kollege Frank Lehner dem damals knapp vier Monate alten Baby eine Spenderniere. „Das Organ funktioniert exzellent“, sagt Pape.


Nach Recherchen der MHH hat noch nie zuvor ein so junges Kind in einer deutschen Klinik eine neue Niere bekommen.