Rethorn - Zweimal im Jahr duftet es an der Wegespinne am Hohenkamp nach frischem Brot und Butterkuchen – dann nämlich, wenn der Ortsverein Rethorn (jeweils am Sonntag vor Ostern und am ersten Sonntag im Oktober) Backtage veranstaltet. In diesem Jahr dürfte es dreimal duften. Der Grund: Zehn Jahre ist es her, dass das Backhaus aufgebaut wurde – wieder aufgebaut, um genau zu sein.
Die Geschichte des Fachwerk-Häuschens reicht nämlich viel länger zurück. Das „Kleinod“ stammt ursprünglich vom Hof Spradau. Im Jahr 1842, so fand es der spätere Eigentümer Otto Schröder bei Recherchen im Katasteramt heraus, wurde das 4,50 mal 4,95 Meter große Gebäude erstmals eingetragen. Als es 1980 wegen eines anderen Bauvorhabens auf dem Hof im Wege stand, kaufte Schröder das Backhaus. Er zerlegte es in seine Bestandteile und lagerte es daheim ein – mit der Absicht, es später selber wieder aufzubauen.
Im Jahr 1999 kam Horst Becker, damals Vorsitzender des Ortsvereins Rethorn, auf eine andere Idee. Der Ortsverein solle das Haus erwerben und an anderer Stelle wieder (funktionstüchtig) aufbauen. Schröder willigte ein.
Bis zur Wiederaufstellung war aber noch viel zu tun. So trafen sich Helfer im Frühjahr 2002 auf dem Schröderschen Grundstück. Da wurden Feldsteine fürs Fundament gewaschen, Pfannen gereinigt, Balken zusammengesetzt. Im Juni 2012 wurde das Fundament gegossen, noch im selben Jahr konnte man ein erstes Mal backen.
Mittlerweile, so sagte der heutige Ortsverein-Vorsitzende Jörg Thielhelm, kümmere sich ein eingespieltes Team um die beliebte Aktion. Auch am Sonntag, beim mittlerweile 21. Backtag, war das so: Klaus Schütte, Wilfried Niehaus, Manfred Raschen, Heiner Wöbse, Marion Daniel und Jörg Thielhelm selbst hatten am Vortag ein Zelt aufgebaut. Manfred Raschen übernahm dann das Vorheizen, Klaus Schütte in der Nacht (gegen 4.30 Uhr) das Anheizen. Gegen 6 brachte Bäckermeister Peter Finke die Backwaren. Und am Morgen stießen Detlef Westerholt, Peter Lauprecht, Margrit Wöbse, Simone Schan und Margarete Thielhelm hinzu – es galt, zu backen und die 30 Bleche Butterkuchen und rund 160 Brote zu verkaufen.
Der Backtag zum „Zehnjährigen“ soll im Dezember stattfinden. Peter Finke will dann „eher weihnachtliche“ Gaumenfreuden backen, dazu werde es voraussichtlich Glühwein geben.
