BAD ZWISCHENAHN - „Nur frohe Botschaften“ hatte Rainer Neumann bei der Vorstellung der Arbeitsmarktzahlen für den September zu vermelden. „Wir haben überall ein Minus“, betonte der stellvertretende Teamleiter der Agentur für Arbeit unter Verweis auf die Zahlen.
Und in der Tat, nicht nur die Gesamtzahl der Arbeitslosen im Landkreis Ammerland ist im Vergleich zum Vormonat um 265 und im Vergleich zum September 2010 um 186 gesunken. Bei allen Gruppierungen sind die Zahlen rückläufig: Bei den Jüngeren (bis 25 Jahre) werden 251 Arbeitslose in der Statistik geführt (86 weniger als vor einem Monat und 45 weniger als im September 2010), bei den über 50-Jährigen sind es 882 (minus 56 bzw. minus 18). Und auch bei den ausländischen Mitbürgern ging die Arbeitslosigkeit zurück – auf 177 Männer und Frauen (minus 57 bzw minus 55). Im September waren im Ammerland somit 2672 Menschen ohne Arbeitsplatz, 1214 davon entfallen auf den Bereich Sozialgesetzbuch (SGB) III (Agentur für Arbeit), 1458 werden von den Jobcentern des Landkreises betreut (SGB II). Die Arbeitslosenquote sank auf 4,4 Prozent. Der Landkreis verzeichnet mit 2882 Bedarfsgemeinschaften (minus 18) die niedrigste Zahl bisher.
Gründe für den Rückgang sieht Neumann unter anderem im Beginn des Ausbildungsjahres. Und hier rechnet er mit einem weiteren Rückgang, da bei der nächsten Statistik auch die neuen Studenten entfielen. Mit dem September hätten aber auch neue arbeitspolitische Maßnahmen begonnen, liefert Jörg Lohmeyer vom Jobcenter eine weitere Erklärung für die positive Entwicklung.
Damit allerdings enden die frohen Botschaften auch: Die Menschen, die derzeit ohne Arbeit sind, seien äußerst schwer zu vermitteln, betonten Arbeitsagentur und Jobcenter. „Die Anforderungsprofile der Bewerber und der Arbeitgeber liegen sehr weit auseinander“, sagt Stefan Hollatz vom Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur. „Und es wird immer schwieriger, beide Seiten zur Deckung zu bringen.“ Es fehlten mittlerweile selbst gering qualifizierte Kräfte, so Lohmeyer. Dabei böten sowohl Agentur wie auch Jobcenter Unterstützung bei der Eingliederung wenig qualifizierter Bewerber.
Und noch etwas haben die Experten beobachtet: Immer mehr Arbeitgeber aus allen Branchen suchen „im Kampf um gute Azubis“ sehr früh Auszubildende. War es früher vor allem im kaufmännischen Bereich üblich, bereits im Vorjahr Bewerber auszuwählen, setzen auch immer mehr Handwerkbetriebe auf die frühe Entscheidung.
