Bad Zwischenahn - Landwirte sind es gewohnt, lange Zeit am Steuer eines Treckers zu sitzen, Strecken von mehr als 450 Kilometern sind aber doch nicht unbedingt üblich. Also wurden am Donnerstagvormittag auf dem Bad Zwischenahner Ahlers-Hof noch einmal alle Fahrzeuge gründlich geprüft, der Reifendruck angepasst, Radmuttern festgezogen.

Werner Ahlers ist einer von vielen Landwirten, die sich aus ganz Deutschland auf den Weg gemacht haben, um am Samstag, 19. Januar, am Brandenburger Tor in Berlin bei der großen Demo „Wir haben es satt“ für den Erhalt bäuerlicher Landwirtschaft dabei zu sein.

„Bauernhöfe vor Ort statt Wachstum und Export“, „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ oder „RespekTiere“ haben Ahlers, Milchbauer Johannes Krost aus Rhauderfehn und zwei weitere Berufskollegen aus Ostfriesland, die gemeinsam mit ihm in Richtung Berlin rollen, auf die Transparente an ihren Fahrzeugen geschrieben. Auch der große Hänger, den Ahlers ziehen wird, ist mit Aufschriften bedeckt.

„Uns geht es darum, die flächengebundene Tierhaltung und ressourcenschonenende Landwirtschaft zu erhalten. So wie wir sie auf dem Ahlershof betreiben und wie sie noch bestimmt 90 Prozent der Landwirte im Ammerland betreiben“, sagt Ahlers.

Damit diese Form der Landwirtschaft überleben könne, müsse sich die Politik ändern, sagt Ahlers, der sich unter anderem in der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) engagiert. Das tut auch Gunda Bruns, die für die ÖDP im Zwischenahner Gemeinderat sitzt und ebenfalls in Berlin dabei sein wird. Fördergelder aus Brüssel, so Ahlers, sollten nicht mehr nur nach der Größe der Betriebsfläche, sondern auch nach Leistungen der Betriebe bemessen werden. Eine vielfältige Fruchtfolge müsste ebenso berücksichtigt werden wie Artenreichtum, umweltschonende Düngung und Pflanzenschutz oder artgerechte Tierhaltung.

Die Bauern aus dem Ammerland und Ostfriesland treibt zudem der Gülle-Tourismus besonders um. Sie beklagen steigende Pachtpreise. Obwohl die Tierdichte hier nicht so hoch sei, stiegen die Preise, weil die Gülle aus den Nachbarregionen herangefahren und auf den Flächen ausgebracht werde.

Ihre Forderungen wollen die Landwirte mit vielen anderen an der Spitze der Demonstration in Berlin vertreten. Sie werden aber sie aber auch direkt zu Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner tragen, die am 19. Januar bei einer internationalen Agrarministerkonferenz im Auswärtigen Amt sein wird.

Die Treckerkolone aus Bad Zwischenahn wird gegen Freitagabend in Berlin eintreffen, nimmt Werner Ahlers an.

Christian Quapp
Christian Quapp Redaktion Westerstede