BAD ZWISCHENAHN - Gerhard Langner ist schon wieder ein paar Wochen zurück in seiner Heimat. Die Freude, für die der 70-Jährige mit seinem jüngsten Hilfstransport im weißrussischen Mogilew gesorgt hat, ist aber nach wie vor groß. Wie auch der Dank der Menschen in dem osteuropäischen Land. Den hat jetzt Jevgenij Rudakowski, Direktor der Internatsschule für an Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) erkrankte Kinder, in einem Brief ausgedrückt.
„Alle Kinder der Internatsschule danken für den Bus und jene Hilfe, die sie geleistet haben“, heißt es darin. Der vom Busunternehmen Pfeiffer ausgemusterte und gespendete Bus sei für die Kinder eine große Hilfe. Er wird für die Fahrten zur Rehabilitation und Prophylaxe genutzt. Mehr noch: „Die Fahrt ins Schwimmbad mit ihrem neuen Bus ist jetzt der Feiertag für die Kinder. Er ist bequem und warm und hilft, die Krankheit zu besiegen“, schreibt der Direktor. Er übermittelt den Dank auch der Arbeiter und der Kinder der Schule an „die Freunde für die humanitäre Hilfe“. Bot der alte, an vielen Stellen nur mit Draht zusammengehaltene Bus nur wenigen Kindern Platz, können nun rund 20 kranke Mädchen und Jungen die Fahrt zur Therapie antreten.
Schikane an der Grenze
Dabei sei es schon ein Abenteuer gewesen, mit dem Bus die Grenze zu passieren, berichtet Langner. 40 Tonnen Hilfsgüter waren schon zuvor mit einem Lastwagen auf den Weg geschickt worden. „Das Theater fing schon am Grenzübergang an.“ So sei er – nach Abfertigung durch den polnischen Zoll – auf weißrussischer Seite wieder zurückgeschickt worden. Eine Abfertigung sei nur an einem mehrere Kilometer entfernten Grenzübergang möglich, hieß es in den frühen Abendstunden. Doch dort habe die Schikane erst richtig angefangen, berichtet der 70-Jährige von einer überbordenden Bürokratie. Selbst ein Schreiben der weißrussischen Botschaft, das dem Bus samt Inhalt seinen Zweck als humanitäre Hilfe bescheinigte, machte auf die Zöllner keinen Eindruck. Und als er kurz nach Mittag seinen Weg fortsetzen wollte, sei ihm am letzten Schlagbaum offenbart worden, dass noch Stempel fehlen würden. „Da ging das Ganze noch mal von vorne los.“ Nahezu einen Tag verbrachte Langner mit Warten, Kontrollen (inklusive eines kompletten Scans des Wagens) und dem erneuten Ausfüllen von Anträgen.
Schließlich in Mogilew angekommen, habe dieselbe Prozedur mit dem örtlichen Zoll noch einmal von vorn begonnen. Beamte würden mit Dingen, die sie beschlagnahmen, Geschäfte machen, hat Langner in den vielen Jahren seiner Hilfstransporte immer wieder feststellen müssen. „Aber die haben wir ausgetrickst“, berichtet der 70-Jährige durchaus zufrieden, dass Hilfsgüter aus Bad Zwischenahn vor der Abnahme gegen Kartons mit der ältesten Kleidung von weißrussischen Freunden ausgetauscht werden konnten.
Die Entschädigung für die Schikane der Grenzer im diktatorischen Lukaschenko-Staat folgte dann aber in der Kinderklinik. „Dass sie einen solchen Bus bekommen, damit hatten die nie gerechnet. Das war eine Riesenüberraschung für die Kinder und Mitarbeiter.“ Die Folge: Lokale Zeitungen und sogar Fernsehsender kamen zur Berichterstattung. Zum Dank an die Spender aus Bad Zwischenahn wurde ein deutsch-weißrussischer Nachmittag im neuen Puppentheater der 370 000-Einwohner-Stadt gefeiert.
Hilfe weiter nötig
Für Langner, der seit 1996 Hilfstransporte organisiert, ist diese große Dankbarkeit bei aller Aggressivität des Staatsapparates das, was ihn auch für diesen Herbst wieder eine Aktion organisieren lässt: „Die Hilfe wird nach wie vor gebraucht. Es herrscht eine große Nachfrage nach fast allem.“ Und: „Die wirtschaftliche Situation spitzt sich zu.“ Habe der Wechselkurs vor einem Jahr noch 4000 Rubel für einen Euro betragen, seien es dieses Jahr schon 12 000 gewesen. Deshalb ist mit dem großen Dank an alle Spender auch die Bitte verbunden, den Menschen in Weißrussland auch 2012 wieder zu helfen. Mitte Oktober soll der nächste Hilfstransport nach Mogilew rollen.
