BAD ZWISCHENAHN - Im Moment bestehe „kein Bedarf“. Als sich die jetzige Chefsekretärin Lydia Kroon vor 15 Jahren bei der Rügenwalder Wurstfabrik bewarb, klang die Antwort nicht sehr vielversprechend. Immerhin: Man wollte ihre Unterlagen erst einmal behalten.

Kurz darauf besann sich Gert Kroon, der damals in der Geschäftsführung für das Personal zuständig war, eines Besseren. Sein Glück. Im vergangenen Jahr folgte der Absage ein Heiratsantrag.

Verguckt hatte sich Lydia Kroon in Bad Zwischenahn schon vorher – in den Ort selbst. „Ich wollte unbedingt hier leben“, sagt die gebürtige Österreicherin. Für die Gemeinde eine Auszeichnung, für Rügenwalder ein Gewinn. „Wenn ich nicht da bin, ist das nicht so schlimm. Wenn sie nicht da ist, merkt man das schon“, bringt Christian Rauffus den Stellenwert seiner Chefsekretärin in dem Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern humorvoll auf den Punkt.

„Ein entscheidendes Einstellungskriterium war damals, dass ich stenographieren konnte“, erinnert sich die 57-Jährige. Das war dem vor kurzem verstorbenen Seniorchef Kurt Rauffus ganz wichtig. Daneben brachte sie viel Erfahrung in Büroassistenz mit. Angefangen hat ihre berufliche Laufbahn als Jungsekretärin bei einem Eisen- und Stahlwerk im österreichische Linz. Mit 20 zog es sie in die Welt hinaus. 17 Jahren als Chefsekretärin bei der Deutschen Bank in Luxemburg folgte ein Jahr bei Mercedes in Hamburg und ein weiteres an der Fachhochschule in Oldenburg. Im Rückblick auf die beruflichen Stationen stellt Lydia Kroon fest: „Mein Dialekt hat mir viele Wege geebnet. Man kann damit manches schöner verpacken.“

Die Routine nach 40 Jahren im Sekretariat („Meinen Job kann ich im Schlaf“) ermöglicht es ihr, den Schwerpunkt auf Schnelligkeit und Gründlichkeit zu legen. Sehr im Sinne des Chefs. „Herr Rauffus ist Perfektionist und möchte immer alles sofort erledigt haben“, sagt Kroon schmunzelnd. „Wenn er mir um 7 Uhr sagt, dass er einen Flug benötigt, fragt er um 7.15 Uhr nach, ob schon gebucht ist.“


Die Voraussetzungen für kompetente Reisevorbereitungen – unter anderem für die vielfältigen Verbandsaktivitäten ihres Chefs – sind gut. „Ich habe die ganze Welt bereist“, sagt Kroon. Die Reisefreude teilt sie mit ihrem Mann, der am 12. Juli nach fast 26 Jahren bei Rügenwalder in den Ruhestand ging. Besonders Südafrika hat es dem Paar angetan.

„An sich bin ich aber sesshaft geworden“, stellt die Chefsekretärin fest. Eine gute Verbindung zwischen Heimatverbundenheit und Unternehmungslust findet das Paar in seiner Sportbegeisterung. „Wir spielen Golf und fahren immer zu Werder Bremen und den Heimspielen der EWE Baskets.“