BAD ZWISCHENAHN - In der beherzten Bekämpfung der aktuellen Finanzmarktkrise lauern neue Probleme. Es sei zwar „vernünftig“, dass die Notenbanken mit viel billigem Geld die Finanzierungsprobleme im Bankensystem milderten. Doch sie müssten aufpassen, dass mit der vielen Liquidität „nicht die nächste Blase entsteht“, warnte der Wirtschaftsprofessor Dr. Peter Bofinger (Würzburg) beim 27. „Zwischenahner Gespräch“ des Verbandes der Wohnungswirtschaft in Niedersachsen/Bremen (VDW).
Der VDW befasste sich bei seiner Tagung, die am Freitag zu Ende ging, schwerpunktmäßig mit der Entwicklung an den Kapitalmärkten. Er sei gespannt, wie sich die Finanzkrise letztlich auf den deutschen Immobilien- bzw. Wohnungsmarkt auswirken werde, sagte eingangs der Verbands-Direktor Bernd Meyer vor rund 150 Vertretern der Wohnungswirtschaft. Unter den Gästen war auch der frühere Bundesbauminister Karl Ravens.
Ein Kernproblem der Krise sei, dass riesige Engagements „außerhalb von Bank-Bilanzen und jeglicher Kontrolle“ aufgebaut worden seien, sagte Bofinger, der auch Mitglied im Sacherständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist. Ausgangspunkt der Finanzmarktkrise seien die extrem niedrigen Zinsen in den USA in den Jahren 2004 und 2005, meinte Bofinger. Damit sei das Umfeld geschaffen worden für eine große Verschuldungsbereitschaft und eine ausgeprägte „Blase in der Immobilienwirtschaft“. Es seien dann immer schlechtere Kredite vergeben und – gut gemischt – weltweit verteilt worden. Das undurchsichtige Engagement in diesem Bereich sei der Grund dafür, dass das Misstrauen der Kreditinstitute untereinander nach wie vor groß sei.
Für Auflockerung der diversen Diskussionsrunden in Bad Zwischenahn sorgte der frühere TV-Börsenberichterstatter Frank Lehmann.
