Bad Zwischenahn - 38 000 Haushalte in Niedersachsen bekommen seit einigen Tagen Besuch. Das Landesamt für Statistik hat 160 „Erhebungsbeauftragte“ losgeschickt zum Datensammeln. Familienstand, Wohnsituation, Einkommen, Ausbildung – jede Menge Daten werden erfasst. Nicht nur in Niedersachsen, bundesweit soll ein Prozent der Einwohner Auskunft geben. Daraus entstehen dann allerlei Statistiken, die als Hintergrund für politische und wirtschaftliche Entscheidungen dienen.

Auch in Bad Zwischenahn war ein Mitarbeiter des Landesamtes unterwegs. Und „der junge Mann“ sorgte bei einem älteren Ehepaar für reichlich Verwirrung mit seinen Fragen.

Wahrheitsgemäß berichtete der Mann, dass er 1941 in Königsberg geboren wurde. Seine Mutter kam 1913 in Tilsit zur Welt. „Der Interviewer kannte zwar Tilsiter Käse und Königsberger Klopse, wusste aber nicht so recht, wo Ostpreußen ist“, berichtete die Frau der NWZ. Ihr Mann klärte ihn auf. „Das gehört heute zu Russland“.

Als nächste Frage folgte nun, wann er denn nach Deutschland eingewandert sei. Der Zwischenahner berichtet, dass er als Zweijähriger von Ostpreußen nach Thüringen kam. Dort blieb die Familie bis 1947. Das heutige Bundesland war damals von den Russen besetzt, weshalb die Familie schließlich nach Niedersachsen floh. „Nach der Zensus-Logik ist mein Mann nun 1943 nach Deutschland eingewandert“, erzählt die Zwischenahnerin.

Sie hält die Fragestellung für irreführend und verfälschend. „Aber auch wenn er jetzt Russe sein sollte, ich bleibe bei ihm“, ergänzte sie lächelnd.


Die Gefahr einer Verfälschung sieht man beim Landesamt nicht. Alle „Einwanderer“ vor 1949 würden statistisch nicht als Migranten gewertet, wenn sie aus ehemals deutschen Gebieten stammen und deutsche Eltern hätten, hieß es auf Nachfrage der NWZ.

Und was wäre mit Kriegsheimkehrern, die erst in der 50er Jahren wieder nach Deutschland kamen? Die seinen dann jenseits des Stichtages. Der habe übrigens beim Zensus 2011 noch bei 1955 gelegen. Da waren die meisten Kriegsgefangenen freigelassen worden.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland