Wildeshausen - Was ist drin im Gebäck? Diese Frage bekommen Bäckereikunden seit kurzem ganz genau beantwortet. Auf den kleinen Schildern in der Auslage steht nicht mehr nur Name und Preis der Ware. Es müssen auch Zutaten angegeben sein, die potenziell Allergien auslösen. Bei den beliebten Viktoria sind das zum Beispiel Gluten, Eier und Milcherzeugnisse. Der Grund: Eine neue Lebensmittelinformationsverordnung der Europäischen Union.

Die Regelung, die Menschen mit Allergien das Leben leichter machen soll, bedeutet für die Bäckereien vor allem eins: viel Arbeit. Preisschilder müssen neu geschrieben, Rezepte in den Computer eingetragen und sämtliche Inhaltsstoffe beim Hersteller erfragt werden, erklärt Dirk Schnittker. Er betreibt eine Bäckerei in der Westerstraße und ist stellvertretender Obermeister der Bäcker-Innung Delmenhorst/Oldenburg-Land.

„Die Verordnung muss zeitnah umgesetzt werden und die Bäcker sind auf dem Weg dorthin“, informiert Schnittker. Wie die Regelung realisiert wird, sei den Betrieben überlassen. Viele zögen in Betracht, im Geschäft eine Kladde auszulegen. Darin sollen die Kunden dann alle Zutaten, Zusatzstoffe und Allergene jedes einzelnen Produktes einsehen können. Die Allergene sollen außerdem direkt auf dem Preisschild zu erkennen sein.

Für sein Geschäft in der Westerstraße strebt Dirk Schnittker eine moderne Umsetzung an. Er will ein Tablet auslegen, in dem die Kunden die Zutatenlisten elektronisch nachschlagen können.

Ob die EU-Regel ordnungsgemäß umgesetzt wird, kon­trolliert das Veterinäramt, das auch zuständig ist für die Lebensmittelüberwachung. „Wir beraten die Betriebe, wie sie die Verordnung am besten umsetzen können“, erklärt Dr. Carsten Görner, Leiter des Veterinäramtes. Die Kennzeichnungspflicht gelte für alle, die gewerblich lose Ware anbieten. Die Liste der Stoffe, die potenziell Allergien auslösen, ist lang: Von Krebstieren über Eier bis zu Milchprodukten reicht das Spektrum.

Nicht nur die Bäckereien müssen sich umstellen, auch für Kantinen gilt die Verordnung. Das erklärt die kleinen Ziffern und Buchstaben, mit denen auch die Menüs auf dem Speiseplan des Cafés Johanneum versehen sind. Auf der Rückseite findet sich die Legende: 14 Hauptallergene und neun Zusatzstoffe sind aufgeführt.


Pressesprecherin Ulrike Berg lobt trotz des Aufwandes die Verordnung: „Die Deklaration schafft Transparenz und erleichtert Allergikern die Speisewahl.“