Als beinah direktem Anwohner der sogenannten Stadtstrecke in Richtung Wilhelmshaven erscheint es mir notwendig zu bemerken, dass es auch in Oldenburg Stimmen gegen eine Bahnumfahrung gibt, da das Ansehen der Stadt und ihrer Menschen durch die arrogante und selbstherrliche Vorgehensweise, die Verwaltung und Wutbürgerinitiativen (...) in dieser Sache bevorzugen, im Umland nachhaltig leidet.
Die einseitige Präferenz für eine Umgehung entlang der A 29 nebst abenteuerlicher Anbindung des Hauptbahnhofes und einer zweiten Huntequerung, die die Schwandner-Administration in selten erlebter Selbstherrlichkeit mit Steuermitteln für unsinnige Gutachten vorantreibt, ist völlig inakzeptabel. (...)
Ein Verzicht auf die Stadtstrecke, deren höchstfrequentierte Bahnübergänge zweifellos beseitigt werden müssen, verbaute im Gegenteil die Möglichkeit, Stadtteilhaltepunkte für den SPNV – z. B. in Ofenerdiek – einzurichten, wie es in Wechloy zum Ende des nächsten Jahres endlich geschehen wird. (...)
Auch vehemente Verfechter der Bahnumgehung müssen einsehen, dass ohne Einbindung der außerstädtischen Anlieger eine Umsetzung dieses Sankt-Florian-Projektes nicht zu bewerkstelligen sein wird, egal wie viele Gutachten man noch vom Steuerzahler finanzieren lassen möchte. Da man in der Vergangenheit jedoch in feinster Gutsherrenmanier auf die notwendige Kommunikation verzichtet hat, kann eine Unterstützung der Gemeinde Rastede und des Landkreises Ammerland sowie der betroffenen Grundstücksbesitzer wohl als äußerst unwahrscheinlich angesehen werden.
(...) Hat der Herr noch alle Schienen im Gleis? Nicht nur, dass durch seinen Plan lediglich der Stadtnorden profitiert und der Stadtsüden extrem belastet werden wird, nein, er hat auch die Zeichen der Zeit total verschlafen. Die „Deutsche Bahn AG“ ist überall bemüht, Kopfbahnhöfe zwecks schnellerer Reisezeiten abzuschaffen (siehe Stuttgart 21).
Und er meint, mit dieser Lösung, die für die Verbindung Wilhelmshaven-Osnabrück zwingend in beiden Richtungen ein „Kopfmachen“ = Zeitverlust erfordert sowie die Reisezeiten zwischen Bremen und Oldenburg zwangsläufig erhöhen wird (die Kurverei kann nicht mit 160 km/h befahren werden), die Bahn überzeugen zu können. Da stöhnt ja die Dampflok! (...)
Vor vielen Jahren wurde beschlossen, einen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven zu bauen. Irgendwann kam jemand auf die Idee, diesen Hafen mittels einer vorhandenen eingleisigen Trasse an das Hinterland anzubinden.
Was ist seitdem geschehen? Der Hafen ist in Betrieb, eine alte eingleisige Strecke verbindet den Hafen mit dem Rest der Welt. Nun aber los, sagte man sich. Nach viel Mühe wurde vor einiger Zeit ein zweigleisiger Ausbau in Angriff genommen. So weit, so gut. Allerdings führt die Bahnstrecke mitten durch eine mittelgroße Stadt, erschwert damit eine Ertüchtigung und bringt die Anwohner auf die (Lärmschutz-)Barrikaden.
Irgendwann kam der Plan einer Umgehungsstrecke auf. Um den wird heute noch gestritten, aus Befindlichkeiten lokaler, regionaler, landespolitischer und schließlich bundespolitischer Uneinigkeit, Streiterei, Schuldzuweisung, Ablehnung, Vertröstung und ökonomischer sowie politischer Armutszeugnisse. Dann kommen Zahlen ins Spiel, Kosten, Zeiträume, Grundstückspreise. Geld spielt ja keine Rolle, lieber doppelt ausgeben als gar nicht.
Damit ist eindeutig bewiesen, dass die Grundregel lautet: warum einfach, wenn es kompliziert auch geht! Warum das große Bild im Auge behalten, wenn man sich an vermeintlich so wichtigen Details aufhängen kann? Dazu muß man weder eine spezielle ökonomische noch eine bahntechnische oder sonst wie geartete Ausbildung haben, nur eines: gesunden Menschenverstand, Denk- und Vorstellungsvermögen! Alle Fragen, die die Realisierung einer verkehrlich und wirtschaftlich brauchbaren Trasse betreffen, wurden nicht nur unbeantwortet gelassen, sondern mit immer mehr Fragezeichen versehen. Schilda war harmlos dagegen!
