BAR?EL - Trientje Baumann kutschiert seit 45 Jahren Fahrgäste mit ihrem Taxi, wohin sie auch möchten. Ob am Tag oder in der Nacht. Einen Achtstundentag kennt die Frau vom III. Hüllenweg in Barßel nicht. „Dinie“, wie sie auch liebevoll gerufen wird, ist mit Leib und Seele Taxifahrerin. Auch im Alter von 74 Jahren fühlt sie sich die gebürtige Ostfriesin immer noch sichtlich wohl hinter dem Steuer ihres Taxis.
Spaß am Autofahren
Erst kürzlich hat sie ihren Fahrgastbeförderungsschein um weitere fünf Jahre verlängert. „Wenn es meine Gesundheit zulässt, werde ich mit 80 Jahren noch mit meinem Taxi Fahrgäste durch die Gegend kutschieren“, sagt Trientje Baumann. Sie hat Spaß am Autofahren.
Trientje Baumann ist in der Landwirtschaft aufgewachsen. Doch in das Leben des damals 17-jährigen Mädchens Trientje Fittje trat im Dezember 1954 auf einer Hochzeitsfeier ihrer Cousine in Lammertsfehn der Taxifahrer Hermann Baumann aus Elisabethfehn. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, verrät Baumann. Die Mistforke stellte sie fortan in die Ecke und stieg in das damals bescheidene Taxigeschäft ihres Freundes ein. Dass sie da noch gar keinen Führerschein hatte, störte Trientje Baumann nicht. „Auch ohne den Lappen konnte ich doch Auto fahren. Wen hat das damals schon gestört und Polizei gab es doch kaum.“
Erst ohne Führerschein
Erst im Alter von 19 Jahren erhielt sie ihre erste Fahrerlaubnis. Ein Jahr später trat sie mit ihrem Hermann vor den Traualtar. „Das erste Taxi war ein VW Käfer. Später war es ein Mercedes und dann ein Kleinbus.“ 1959 folgte dann die Anschaffung eines Omnibusses. „Den dazu erforderlichen Führerschein macht Trientje Baumann 1968. In den folgenden Jahren wurde das Taxiunternehmen ausgebaut. Seit 1993 ist der Betrieb nun im Gewerbegebiet Barßel ansässig.
1998 verstarb ihr Ehemann Hermann und seitdem führt Trientje Baumann mit Tochter Anita das Unternehmen. „Die schönste Tour in den mehr als 45 Jahren war für mich eine Omnibusfahrt 1997 zur Blütenschau nach Amsterdam.“ Die vielen Fahrgäste hat die Mutter von zwei Kindern nicht gezählt. Auch die gefahrenen Kilometer hat Baumann nicht aufgeschrieben. Doch Zigtausende sind es sicherlich.
Nasenbein gebrochen
„Die meisten Fahrgäste sind nett und freundlich. Ich bin quasi auch eine halbe Seelsorgerin. Nicht wenige Fahrgäste klagen mir ihr Leid während der Fahrt. Das beginnt bei der weggelaufenen Ehefrau, dem Verlust des Arbeitsplatzes oder einer schweren Erkrankung. Doch mit meinen tröstenden Worten konnte ich so manchen Fahrgast wieder aufmuntern“, sagt die Barßelerin.
Doch sie hat an ihre berufliche Tätigkeit auch schlechte Erinnerungen. Zweimal wurde Trientje Baumann bereits überfallen. Das erste Mal im Februar 2001 und dann 2007 noch einmal. „Drei Männer waren es beim ersten Mal. Einer von denen hat mich zusammengeschlagen.“
Neben blauen Flecken gab es ein blutiges Gesicht – und das Nasenbein war gebrochen. 2007 wurden ihr die Einnahmen geraubt. Die Täter wurden gefasst. Die Erinnerung bleibt. Doch Angst vor weiteren Übergriffen hat Trientje Baumann nicht: „Ich fahre weiter Taxi.“
