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Berufsorientierung Praktikum als Chance nutzen

BARßEL - „Schwerpunkt unserer Hauptschule ist die Berufsorientierung“, erklärt Barßels Schulleiter Werner Sandmann. „Und Schwerpunkt dieser Berufsorientierung sind die Praktika.“ Derzeit ist der neunte Jahrgang im Betriebspraktikum. Drei Wochen lang bekommen die Schüler in den verschiedenen Firmen einen Einblick in die dort ausgeübten Berufe.

Chance für Hauptschüler

Jahrelang war vor allem für Hauptschüler der Schritt ins Berufsleben schwierig. Es gab wenige Ausbildungsplätze und viele Bewerber. Mittlerweile herrscht in vielen Berufen Azubi-Mangel. „Fünf Jahre zuvor hätten Sie für eine Ausbildungsmesse maximal fünf Firmen zusammenbekommen, das sieht auf den derzeitigen Messen ganz anders aus“, beschreibt der Schulleiter die Lage. „Das ist die Chance für unsere Schüler.“

Was aber immer noch nicht passen würde, erklärt Sandmann, das sei das negative Selbstbildnis der Schüler. „Das hat sich über die Jahre so eingeschliffen, das kriegen Sie nicht von einen auf den anderen Tag wieder aus den Köpfen.“ Aber vielleicht entdecken sie ihre Stärken während des Praktikums, hofft er.

So wie die 16-jährige Darlyn Helms aus der Klasse 9a. Sie absolviert ihr Praktikum im Friseursalon „Struwwelpeter“. Augenbrauen zupfen, Wimpern färben, Haare frisieren – das kann sie, das sind ihre Stärken. Und auch Kontaktfreudigkeit, Unterhaltsamkeit und Modeinteresse kann ihr Friseuse Petra Conners guten Gewissens bescheinigen.

Ein gutes Praktikumszeugnis – darauf darf auch Darlyns Klassenkamerad Sandro Amato, 15 Jahre alt, hoffen. Er absolviert sein Praktikum im Autohaus Schröder. Öl wechseln, Reifendruck prüfen, Werkzeuge sortieren – das sind seine Aufgaben hier. Und wie er diese angeht, das begeistert den Kfz-Werkstatt-Leiter Jens Schröder. „Sandro sieht auch von alleine, wo was zu tun ist, wirft auch mal einen Blick über den Tellerrand, und ist sich auch nicht zu Schade, mal ’nen Besen in die Hand zu nehmen.“


Schröder hat auch schon anderes erlebt: „In den vergangenen zwei Jahren hatten wir sechs, sieben Praktikanten hier und die waren alle nicht zu gebrauchen. Meldeten sich am Montag erstmal krank und wenn sie dann da waren, hockten sie auf den Reifenstapeln und saßen so ihre Zeit ab.“ Er ist erleichtert, dass Sandro nun eine Ausnahme darstellt.

Perspektive finden

Dass nicht alle Schüler den Anforderungen der Berufswelt gerecht werden, ist für Werner Sandmann nichts Neues. „Wir haben die Jugendlichen ja jeden Tag im Unterricht.“ Er macht vor allem die Abschaffung der Orientierungsstufe und der daraus folgende Druck auf die Grundschulen dafür verantwortlich. Manche Schüler kämen nun aus der Grundschule und könnten fünf und sieben nicht zusammenzählen, weil sie schließlich nur zehn Finger haben, berichtet er. „Diese Schüler sind auch an der Hauptschule aufgeschmissen.“ Er kann nur hoffen, dass er auch diese Schüler nicht in die Perspektivlosigkeit entlassen muss. Das, so müsse man heute zugeben, sei eine lange Zeit der Fall gewesen.

Eine Perspektive aufweisen, das sollen die Praktika – und wenn es auch nur die ist, dass sie das dort erlebte Berufsfeld ausschließen können, erklärt der Schulleiter. „Diese ,Misserfolge‘ gehören auch dazu.“ Genauso wie die Fälle, bei denen die Arbeitgeber schließlich sagen: „Das ist genau der, den wir brauchen.“

Und auch in diesem Jahr sieht es so aus, als könnte das eine oder andere Praktikum so enden, kann Werner Sandmann nach gerade einmal einer Woche berichten: Der erste Praktikant habe bereits seinen Ausbildungsvertrag unterschrieben.

Stefanie Dosch
Stefanie Dosch Politikredaktion/Newsdeskmanagerin
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