Barßel - Es klingt nach Rittern, Mittelalter und erbitterten Kämpfen. Beim Wort „Burg“ hat wohl jeder zunächst solche oder ähnliche Begriffe im Sinn. Auch bei Barßel soll es mal eine Burg gegeben haben. Die Schnappburg, Schnappenburg oder auch „Borgh tor Snappen“ soll sie genannt worden sein. Oder waren es sogar mehrere? Die NWZ hat sich auf Spurensuche begeben.

Schaut man sich die Lage der Ortschaft Barßel auf einer politschen Karte der Gegenwart an, wird immer noch deutlich: Barßel ist auch im 21. Jahrhundert ein Ort in Randlage – an einer Grenze. Direkt hinter dem Ortsausgang Richtung Tange und Nordloh endet der Landkreis Cloppenburg am Godensholter Tief. Und genau diese Grenzlage zieht sich durch die gesamte Barßeler Geschichte. Die Gewässer rund um Barßel waren auch im Hoch- und Spätmittelalter schon Grenzen – zwischen Tecklenburg und Oldenburg oder zwischen dem Niederstift Münster und Oldenburg. So ist es gar nicht so verwunderlich, dass, um eine solche Grenze zu sichern, auch eine Burg in Barßel gestanden haben soll.

Auch der Heimatforscher Heinrich Schulte hat sich in seiner Chronik „Barßel an den Waterstrom“ mit der Barßeler Burg beschäftigt. Dort ist von zwei Standorten die Rede. „Der Name Schnappenborg ist noch gebräuchlich für die Parzelle 40/41, Flur IV, am Westeresch, wo sich das Barßeler und Godensholter Tief vereinigen“, sagt Schulte in seinem Buch. Genau dorthin führt heute unter anderem der Schnappburgsweg. Ebenfalls soll dort laut Schulte auch der Name der Burg entstanden sein. „Das Wort ,Snappe‘ ist die Bezeichnung des Beengten und des Einzwängens“, so Schulte. Das passt zu der Landzunge am Westeresch, die von fast allen Seiten von Wasser eingeengt wird.

Der zweite Hinweis auf eine Burg bei Barßel liegt etwas zentraler. Geht man von der Pfarrkirche Ss. Cosmas und Damian die Marienstraße entlang, heißt die zweite Straße auf der linken Seite „Burgstraße“. Genau hier soll ebenfalls eine Burg oder etwas Ähnliches gestanden haben: mit dem Namen „Borgh tor Snappen“. „Das Zentrum der Wehranlage bildeten die Befestigung des Dorfes und das befestigte fürstliche Burghaus an der Ostseite des Dorfes“, so Schulte. Genau dort soll auch die Sagengestalt „Junker Griese“ nach mehreren Legenden sein Unwesen getrieben haben. Nach ihm wurde auch die Junkerstraße, gleich neben dem Schnappburgsweg, benannt.

Zum ersten Mal soll die „Borgh tor Snappen“ laut Schulte im Jahr 1394 erwähnt worden sein. So soll auch diese Bezeichnung älter sein. „Die Bezeichnung kommt in urkundlichen Belegen nach 1400 nicht für Schnappenborg am Westeresch vor, sondern nur die Bezeichnung ’de Snappen’, ohne Zusatz des Wortes Burg“, so Schulte. So soll dort am Ende des 14. Jahrhunderts lediglich ein Zoll erhoben worden sein.


Doch für beide Standorte einer Burg ist die Quellenlage dünn. „Die Burg am Dorf hat lediglich Spuren von Gräbern und Bodenerhöhungen hinterlassen, und sie mag zunächst in der münsterschen Zeit noch länger erhalten geblieben sein und ist dann zerfallen“, so Schulte weiter.

Sicher ist sich der Heimatforscher aber, dass die Bedeutung einer Burg im Barßeler Raum für die Entwicklung des Ortes sehr wichtig war. „Die Burg tor Snappe wurde mit der Burg to Oythe und dem befestigten Marktort Friesoythe nach und nach zu einer wirtschaftlichen Einheit ausgebaut“, heißt es in Schultes Chronik. Unabhängig wo diese „Burg“ also stand, wichtig für Barßel war sie sicher.

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland