BARßEL - Vitamin C steckt in Orangen, ist gut für den Menschen – und sieht einfach verdammt gut aus. Zumindest wenn man die Ascorbinsäure, wie das Vitamin C wissenschaftlich heißt, mit den Augen von Wolfgang Briese betrachtet. Der Barßeler Umweltschützer und ehemalige Chemie-Ingenieur hat ein eher ausgefallenes Hobby: Er fotografiert Kristallisierungsprozesse unter dem Mikroskop. Ihn fasziniert das immer neue Farbspiel der Kristalle: „Keine Aufnahme gleicht der anderen und es ist nicht vorauszusagen, welche Strukturen schließlich entstehen“, sagt Briese.

Alles was Wolfgang Briese für seine Tauchgänge in das Farbenmeer der Kristalle benötigt, ist ein Mikroskop, eine Kamera und Polarisationsfilter: „Ohne die Filter geht es nicht. Erst durch sie werden die Farbspiele sichtbar, sonst bleibt alles nur schwarz-weiß“, erklärt Briese. Seit kurzem kann sich Briese mit Hilfe eines Mikrokulars, einer Kamera im Mikroskop, die Bilder direkt auf den Computermonitor holen. Grundsätzlich sei, so Briese, aber eine Einsteigerausrüstung bei Lehrmittelherstellern im Internet ab 150 Euro zu bekommen.

Auf sein außergewöhnliches Hobby ist Wolfgang Briese gestoßen als er seine Leidenschaft fürs Fotografieren mit seinem Faible für chemische Vorgänge verknüpfte.

Grundlage für alle Bilder ist die Lösung, die Briese auf den Objektträger des Mikroskops aufbringt. „Aus praktisch allen Stoffen die in Alkohol oder Wasser löslich sind kann ich eine Lösung herstellen, egal ob Vitamin C, Oxalsäure, Kaliumdichromat oder gar Aspirin“, sagt Briese. Dabei kommt es auf die richtige Konzentration an. Ist die Lösung zu hoch konzentriert klappt es nicht – aber auch eine zu geringe Konzentration bringe oft nicht die gewünschten Ergebnisse, erklärt Briese.

Und so ist die Jagd auf Kristallbilder eine Angelegenheit, die viel Geduld erfordert. „Morgens mische ich die Lösungen an und bringe sie dann auf den Objektträgern auf. Dann muss ich bis zum nächsten Morgen warten, bis die Flüssigkeit verdampft ist, und dann folgt die große Überraschung“, sagt Briese. Denn auch wenn der Fotograf seine Technik seit Jahrzehnten ständig optimiert, kann auch er die Ergebnisse nicht voraussagen. „Je nachdem, ob die Lösung schnell oder langsam getrocknet ist, kommen völlig andere Strukturen zum Vorschein.


Ungefähr zwei bis drei Bilder entstehen so pro Woche. Die besten lässt sich Briese in einem Kopiergeschäft vergrößern und hängt sie sich an die Wand, bevor er wieder in neue Farbwelten abtaucht.