BARßEL/LOHE - Der geplante Bau von zwei weiteren großen Hähnchenställen in der Bauernschaft Lohe bringt Anwohner auf die Barrikaden. Die Mastställe will der Barßeler Landwirt Christoph Raming nördlich der Erlenstraße bauen. Zwei Anlagen hat Raming, der außerdem für die CDU im Barßeler Rat sitzt, bereits südlich der Erlenstraße im vergangenen Jahr bauen lassen. Durch die zwei neuen Ställe fürchten die Anwohner nun negative Auswirkungen auf den Ort, sie wollen den Bau der neuen Ställe nicht so hinnehmen.

In der Loher Bauernschaft formiert sich der Widerstand gegen die geplante Hähnchenmastanlage. Um dem Protest Nachdruck zu verleihen, wurden sowohl entlang der Erlen- und Elisenstraße, als auch an der Loher Straße große Plakate aufgestellt und angebracht. „Es reicht“, „Zwei sind gut“ oder einfach „Nein“, steht in großen Lettern geschrieben.

„Wenn alles so läuft, wie Christoph Raming es geplant hat, dann werden die Ställe wohl errichtet. Nichts in diesem schlichten Satz deutet auch nur ansatzweise auf die Konsequenzen für die Bewohner der Nachbarschaft hin, die alle komplett dagegen sind“, sagt Anwohner Eduard Freer. In den beiden neuen Ställen sollen bis zu 75 000 Hähnchen Platz finden. Zusammen mit den bisherigen zwei Anlagen werden dann dort rund 145 000 Hähnchen gemästet.

„Alle Tiere müssen gefüttert werden, die Tonnen von Mist produzieren“, schimpft Anwohner Heinz Thoben. Hinzu kämen noch die Lastzüge, die Futter liefern, das Federvieh zur Schlachtung abholen und dann natürlich auch wieder neue Tiere bringen“, erregen sich die Anwohner. „Es wird nach Ammoniak stinken, es wird Staubbelastungen geben und reichlich Lärm. Man nimmt uns den Atem“, klagt auch Heinrich Kruse. Niemand wisse außerdem, womit die Abluft der Ställe belastet ist.

„Davon wird allerdings Christoph Raming nicht viel mitbekommen. Er selber wohnt mit seiner Familie im rund vier Kilometer entfernten Barßel, weit weg von Feinstaub, Lärm und Abgasen, die von der neuen Mastanlage ausgehen. Die Folgen seiner Pläne dürfen ganz die Bewohner von Lohe ausbaden“, so Eduard Freer. Das werde nicht ohne Widerstand gehen. Die Antwort der Anwohner sei ein klares „Nein.“


Besonders verärgert sind die Loher Einwohner über das Auftreten des Barßeler Landwirts bei einer Zusammenkunft mit Bürgermeister Bernd Schulte. „In dieser im Vorfeld durchgeführten Diskussion wollten wir Raming von seinem Bauvorhaben abbringen und waren um einen Ausgleich bemüht. Doch Raming ließ keinen Zweifel daran, das Ding durchziehen zu wollen“, erklärt Thoben und ist immer noch erbost über das Verhalten des Ratsherren. „Wenn wir als Anlieger keinen Krach machen, wäre er bereit, einen Immissionsfilter einzubauen, was er gesetzlich zur Zeit nicht bräuchte. Das ist schon Erpressung“, meinte Heinrich Kruse.

Wie die Gemeinde Barßel auf Anfrage bestätigte, hat Landwirt Raming einen Bauantrag gestellt, der nun vom Landkreis Cloppenburg als zuständige Genehmigungsbehörde geprüft wird. „Wir mussten unser Einvernehmen zum Bauantrag herstellen. Es handelt sich um ein privilegiertes Bauvorhaben im Außenbereich“, sagt Arno Baumann, Erster Gemeinderat im Barßeler Rathaus. Wenn bau- und immissionsrechtlich nichts gegen die Anlage spricht, gebe es kaum einen Ablehnungsgrund.

Ein Gutachten hat Landwirt Raming bei der Landwirtschaftskammer in Auftrag gegeben. Die Anwohner wollen nun abwarten, wie es weiter geht. Das wird das laufende Genehmigungsverfahren zeigen.