Barßel - Es ist eines der großen Projekte des Landkreises. Zur Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) soll im gesamten Kreisgebiet ein Rufbussystem eingeführt werden. Neben einem festen Fahrplan soll der Kleinbus per Telefon, Internet oder App zu einer Bedarfshaltestelle gerufen werden können. Von da aus soll man aus der ländlichen Peripherie vor allem zu Ärzten, Krankenhäusern und zum nächstgelegenen Bahnhof kommen.
Horst Benz vom Fachbüro Kreamobil stellte die Planungen am Mittwochabend dem Ausschuss für Straßenbau und Verkehr der Gemeinde Barßel vor. Bereits zuvor wurde allen Ratsmitgliedern und Hauptverwaltungsbeamten des Landkreises das Projekt in einer gesammelten Sitzung vorgestellt. „Bei jeder Sitzung zum Thema Rufbus haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass die Zielsetzung, einen Bahnhof im Kreis zu erreichen, für Barßel nicht funktioniert“, sagte Bürgermeister Nils Anhuth auf der Sitzung.
In dem Zusammenhang lohnt sich der Blick auf die Karte. Als nördlichste Gemeinde des Landkreises Cloppenburg hat Barßel eine absolute Randlage. Der Bahnhof in der Kreisstadt Cloppenburg ist rund 45 Kilometer weit entfernt. Direkt vor der Barßeler Haustür befindet sich der Bahnhof Augustfehn in der Gemeinde Apen – bis dahin sind es von Barßel aus acht Kilometer. Dazu kommt auch noch der Bahnhof in Ocholt, der knapp zwölf Kilometer vom Ortskern entfernt ist. „Kein Mensch aus Barßel fährt zum Bahnhof nach Cloppenburg. Das macht für uns überhaupt keinen Sinn“, machte Michael Warnken (CDU) deutlich. Ähnlich sah es die SPD-Fraktion. „Die Planungen stellen aktuell keine Verbesserung für unsere Gemeinde dar – ohne Anbindung an den nächsten Bahnhof gibt es keinen Vorteil“, sagte die Fraktionsvorsitzende Ursula Nüdling und machte auch deutlich: „Die Verwaltung hat in diesem Thema ihre Hausaufgaben nicht gemacht.“ Auch für die Bürgerfraktion hat der Bahnhof Augustfehn Priorität. „Dort haben wir einen schienengleichen Übergang ohne Treppen. Der ist sehr wichtig“, sagte der Fraktionsvorsitzende Josef Wagner.
Eine große Konkurrenz zu bestehenden Buslinien befürchtet der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Eveslage, da der Rufbus teilweise auch auf der gleichen Strecke wie die Linie 380 von Barßel nach Oldenburg fahren würde. „Der Rufbus ist günstiger und könnte die Fahrgäste, die nach Oldenburg wollen, aus der 380 herausziehen. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis man in Oldenburg die Linie einstampft. Und diese Linie ist wirklich wichtig“, so der ehemalige Landrat. Doch Horst Benz machte auch noch einmal die Vorteile deutlich. „Gerade im Bereich Reekenfeld gibt es zur Zeit außer dem Schülerverkehr noch keine Möglichkeit, nach Barßel zu kommen. Die wäre mit dem Rufbus gegeben“, so der Planer. Für Hans Eveslage geht das nicht weit genug. „Gehbehinderte oder ältere Menschen müssen trotzdem noch zur Haltestelle kommen“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende. Doch wenn alle Fahrgäste vor der Haustür abgeholt werden müssten, würde dies laut Benz die Fahrzeit des Rufbusses drastisch verlängern.
„Das Konzept des Rufbusses ist gut, doch für die Gemeinde Barßel fehlt das Feintuning. Es kann nicht für den ganzen Landkreis gleich geplant werden“, sagte Steffen Haak (CDU). Insgesamt kostet das Rufbusprojekt, dass bis 2020 an den Start gehen soll, 2,3 Millionen Euro. Die Gemeinde Barßel müsste selbst pro Jahr rund 40 000 Euro zahlen.
