Langenriep - Dr. Maria Flachsbarth ist Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsaftsministerium. Auf den Hof von Hendrik Lübben zwischen Esenshamm und Abbehausen verirren sich solche Gäste eher selten. Am Montag schaute sich die gelernte Tierärztin den Betrieb des Landwirts mit seinen etwa 150 Milchkühen an. Begleitet wurde sie von Björn Thümler, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden im niedersächsischen Landtag. Die beiden Politiker kamen in erster Linie, um aus erster Hand zu hören, wo den Landwirten in der Wesermarsch zurzeit der Schuh drückt. Probleme gibt es genug. Das erfuhren die Christdemokraten nicht nur von Hendrik Lübben, sondern auch vom Kreislandvolkvorsitzenden Karsten Padeken und vom Geschäftsführer Manfred Ostendorf.
Die Staatssekretärin kam mit einer guten Nachricht nach Langenriep. Das ursprünglich geplante Umbruchverbot in Vogelschutzgebieten ist nach einem entsprechenden Beschluss durch Bundestag und Bundesrat vom Tisch. Nach den Worten von Karsten Padeken hätte es gerade für die Landwirte in der Wesermarsch schlimme Folgen haben können. Im Landkreis gibt es insgesamt 11 000 Hektar Vogelschutzgebiet. Karsten Padeken machte deutlich, dass umgepflügte Weiden, die nicht in Ackerflächen umgewandelt werden, sondern als Grünland erhalten bleiben, eine hervorragende Nahrungsquelle seien – auch für Wiesenvögel. Hendrik Lübben sagte, dass ein Umbruchverbot für viele Betriebe massive Beeinträchtigungen zur Folge gehabt hätte.
Weiter zuhören
Manfred Ostendorf lobte das Einlenken als Beispiel dafür, dass die Politik zuhört. Und er hofft, dass die Politik auch dann zuhört, wenn es um andere Themen geht. Karsten Padeken machte auf den Schaden aufmerksam, den riesige Schwärme von Gänsen den Landwirten zufügen, wenn sie ihre Felder in Beschlag nehmen. Manfred Ostendorf spricht von einem wirtschaftlichen Totalschaden, wenn eine Weide von den Zugvögeln zugekotet wird. Die Landwirte fordern deshalb, eine stärkere Bejagung der Tiere zuzulassen. Außerdem müssen betroffene Landwirte Entschädigungszahlungen bekommen. Björn Thümler zeigte Verständnis für dieses Anliegen. In den Nachbarländern Belgien und Holland wird nach seinen Worten deutlich rabiater mit den Vögeln umgegangen. Dort würden Gänse massenhaft vergast. Solche Methoden lehne er aber strikt ab, sagte Björn Thümler. Auch die Landwirte sind mit solchen Methoden nicht einverstanden, sagte Manfred Ostendorf.
Mehr Stickstoff
Zu schaffen macht den Landwirten in der Wesermarsch auch eine geplante Verschärfung der Düngeverordnung durch die Europäischen Union. Es geht um die Balance zwischen Pflanzenwachstum und Gewässerschutz. Bis Ende vergangenen Jahres war es den Landwirten erlaubt, 230 Kilo Stickstoff pro Hektar durch Gülle auf dem Grünland auszubringen. Inzwischen gilt eine Begrenzung von 170 Kilo pro Hektar. Zu wenig, sagen die Landwirte. Das Grünland in der Wesermarsch könne deutlich mehr Stickstoff aufnehmen, ohne dass dabei die Wasserqualität beeinträchtigt wird, so Karsten Padeken.
Maria Flachsbarth erläuterte, dass gemeinsam mit den Ländern zurzeit nach einer vernünftigen Lösung gesucht werde. „Wir müssen aber auch die Hausaufgaben der EU erfüllen.“ Auch das ist ein schwieriger Balanceakt. Die Landwirte in der Wesermarsch werden sicher genau hinschauen, was in Berlin und Brüssel passiert.
