Im Nordwesten/Hannover - Hilferuf in einer lebensbedrohlichen Existenzkrise: Niedersachsens Milch- und Schweinebauern geraten immer stärker unter Druck mit steigenden Kosten und sinkenden Erlösen für ihre Produkte. „Alle neuen Gesetze und Verordnungen bewirken für unsere Landwirte höhere Kosten, leider finden wir aber niemals einen Adressaten, der zumindest einen Teil des zusätzlichen Aufwandes über höhere Erlöse ausgleichen würde“, klagt Landvolk-Vizepräsident Heinz Korte.

Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit – etwa bei Vorgaben für das Düngen der Felder oder den Aufbau der Ställe – gehe immer stärker ins Geld. Doch die Bauern könnten diese Zusatzkosten nicht an ihre Abnehmer wie Molkereien oder Schlachtereien weitergeben. Im Einzelhandel und am Ende auch in der Einkaufsroutine der Verbraucher gelte das Diktat niedriger Preise. Sowohl die Erzeugerpreise für Schweine als auch für Milch reichten derzeit nicht einmal, um die Kosten zu decken.

Laut der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen lag der Erzeugerpreis für ein Kilogramm Milch zuletzt bei 29 Cent. Das ist ein gutes Fünftel weniger als der Schnitt der Jahre 2013 und 2014. Das Kilogramm Schweinefleisch bringt den Landwirten derzeit laut Landesbauernverband 1,40 Euro. Das sei ebenfalls nicht kostendeckend und „beschämend niedrig“, sagte Verbandsexperte Hermann Wester. Deutschland ist europaweit für niedrige Lebensmittelpreise bekannt.

Der Bauernexperte und CDU-Fraktionschef im Landtag, Björn Thümler, nennt die niedrigen Milchpreis „ für viele unserer Landwirte existenzbedrohend“. Thümler schlägt „eine vorzeitige Auszahlung der Prämien aus dem EU-Agrarförderprogramm“ vor: „Es würde die Situation der Landwirte deutlich entschärfen.“

Für Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) wäre die beste Lösung eine konzertierte Aktion, um die Milchmenge zu drosseln. „Der Preisverfall hat mit dem Überangebot zu tun. Das sollte auch Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) einsehen und auf EU-Ebene einen Konsens herstellen“, sagte Meyer der NWZ .