Nach dem Durchbruch im Kampf um höhere Abnahmepreise wollen Niedersachsens Milchbauern den Lieferstopp aussetzen. Das machen wir, um die Verhandlungen positiv zu begleiten, sagte der Landesvorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Christian Niemann, am Donnerstagabend in Hinte (Kreis Aurich).
Der Landesverband folgt damit dem Aufruf des BDM-Bundesvorsitzenden Romuald Schaber. Er hatte die Bauern am Nachmittag bei einer Kundgebung in Berlin, an der auch rund 200 Landwirte aus dem Nordwesten teilnahmen, aufgefordert, von sofort an wieder zu liefern. Zuvor hatten große Discounter-Ketten angekündigt, den Milchpreis erhöhen zu wollen.
Für grundlegenden Reformen sprachen sich sowohl BDM-Landesvize Ludwig Soeken (Großefehn) als auch der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Werner Hilse, in Hannover aus. Der gesamte Lebensmitteleinzelhandel muss die Preise für das komplette Sortiment der Milch- und Molkereiprodukte dauerhaft und verlässlich anheben, damit die Milchverarbeiter wieder in die Lage versetzt werden, unseren Landwirten Milchpreise auf einer wirtschaftlich rentablen Grundlage auszuzahlen, ließ Hilse erklären.
Wie viel Milch die Bauern zwischen Harz und Küste den Molkereien mit dem Boykott vorenthielten, bleibt weiter unklar. Soeken berichtete, dass die Molkereien bei den Anlieferungen Verluste von eindeutig weit über 50 Prozent hinnehmen müssten. Der Branchenriese Nordmilch (Bremen) bezifferte die fehlende Menge hingegen auf nur ein Viertel. Lars Schildwach von der Molkerei Ammerland in Wiefel-stede berichtete von einem Lieferverlust von 31 Prozent.
