Hannover/Berlin - Mit harten Attacken gegen Kritiker der konventionellen Landwirtschaft hat Verbandspräsident Joachim Rukwied den Bauerntag in Hannover eröffnet. „Wir brauchen keine Agrarwende. Wir wirtschaften mit der Natur und halten unsere Tiere artgerecht“, rief er unter großem Beifall der fast 600 Delegierten. Umweltverbände, Grüne und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hätten „von Landwirtschaft keinen blassen Schimmer“, erklärte er.

Zugleich forderte Rukwied Hilfen von der Politik angesichts der Markt- und Preiskrise vor allem bei Milch, Obst und Schweinefleisch. Die Regierung müsse zu ihrer Zusage für ein Hilfspaket in Höhe von „100 Millionen plus X“ stehen und endlich „konkrete Maßnahmen vorlegen“.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), der an diesem Donnerstag als Hauptredner auf dem Bauerntag erwartet wird, will den Landwirten mit einem umfassenden Anti-Krisen-Paket helfen. „Ich werde alles dafür tun, dass denen, die in der Krise sind, geholfen wird“, erklärte er im Gespräch mit der NWZ. Der Minister hatte bereits beim Milchgipfel Ende Mai ein Hilfsprogramm von „100 Millionen Euro plus X“ angekündigt. Schmidt sichert jetzt zu, das X werde „bei mir groß geschrieben“.

Finanzielle Unterstützung soll nach seinem Willen allerdings an Zurückhaltung bei der Milchproduktion gekoppelt werden. „Ich bestehe darauf, dass nur Geld bekommt, wer nicht noch durch hochgeschraubte Produktion den Markt weiter unter Druck setzt“, sagte Schmidt.

Der Minister kündigte an, der Zuschuss des Bundes zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung werde auch 2017 aufgestockt, um 78 Millionen auf 178 Millionen Euro. Zudem versprach er Steuererleichterungen. Ergänzend fordert er ein weiteres EU-Hilfsprogramm.