Berlin - Der in Deutschland kühle und regnerische Mai hat bei vielen Landwirten für finanzielle Einbußen und dürftige Ernten gesorgt. „Vor allen Dingen unsere Obst- und Gemüsebauern, die jetzt mitten in der Ernte stehen, die Spargelbauern, die Erdbeerbauern, die haben teils erhebliche Verluste“, sagte Sprecher Michael Lohse vom Deutschen Bauernverband am Montag in Berlin.
In vielen Regionen gelte: „Hier ist es zu kühl, und die Sonne fehlt, so dass der Spargel nicht wächst und die Erdbeeren nicht rot werden.“
Daneben litten in zahlreichen Regionen auch Pflanzen wie Kartoffeln und Mais unter dem Wetter. „Das sind wasserempfindliche Kulturen, da sehen die Bestände nicht selten sehr schlecht aus, und wir müssen abwarten, wie die Ernte ausfällt.“
Auch Frühkartoffeln entwickelten sich vielerorts nicht richtig, sie faulten teilweise sogar im Boden. „Kartoffeln aus heimischer Produktion sind derzeit Mangelware“, meinte Lohse.
Walter Hollweg, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK/Oldenburg), ist trotz der ungünstigen überregionalen Nachrichten nicht allzu schlechter Dinge. „Bei allen Einschränkungen sind wir im Nordwesten noch gut weggekommen“, sagte er angesichts der Schwierigkeiten, die die Bauern in den Hochwassergebieten zu bewältigen haben.
Zwar seien Spargel, Erdbeeren und Mais auch im Nordwesten ihrer Zeit hinterher, allerdings sehe es in Sachen Getreide gut aus. „Mai kühl und nass füllt dem Bauern Scheun’ und Fass“, bemühte er eine Bauernregel. Auch das Grünland habe mittlerweile vielerorts seinen ersten Schnitt erhalten und könne als Viehfutter verwendet werden. Zu achten sei nun allerdings auf Pilzkrankheiten beim Getreide.
Europas größter Agrarhandelskonzern Baywa erwartet indes keine gravierenden Ernteausfälle oder Preisanstiege. Ob dies so bleibe, sei allerdings witterungsabhängig, sagte eine Unternehmenssprecherin.
Trete eine Wetterbesserung ein, dann dürfte der Wachstumsrückstand beim Mais wieder aufgeholt werden. Ähnlich sei es bei den Erdbeeren, denen das verregnete Frühjahr am stärksten zugesetzt habe. Bei Äpfeln rechnet die Baywa ebenfalls mit einer durchschnittlichen Ernte.
