Oldenburg - Eigentlich ist Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje ein bekennender Optimist. Doch angesichts der derzeit dramatischen Lage bei vielen landwirtschaftlichen Betrieben fällt es auch ihm schwer, noch positive Worte zu finden.
„Es brennt auf den Betrieben“, sagte er vor rund 50 Zuhörern am Donnerstag beim 16. Forum Landwirtschaft der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg. Vielerorts würden rote Zahlen geschrieben. Als Hauptgründe für die angespannte Lage machte er zum einen die wirtschaftliche Situation der Betriebe und zum anderen den gesellschaftlich-politischen Druck aus.
Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage sagte Schwetje, dass die Landwirte, Stichwort „Schweinezyklus“, sehr wohl Einkommensschwankungen kennen würden. „Was derzeit aber passiert, ist an Dramatik kaum noch zu überbieten“, betonte er. Der Preisverfall treffe praktisch alle landwirtschaftlichen Bereiche und dauere mittlerweile schon mehr als ein Jahr an.
Schwetje machte die Entwicklung auch anhand eines Vergleichs der Unternehmensergebnisse aus dem guten Wirtschaftsjahr 2013/14 und den zu erwartenden für 2015/16 deutlich. Über alle Bereiche würden die Ergebnisse um 53,3 Prozent zurückgehen – in den gerade regional wichtigen Bereichen Futterbau und Veredelung sogar um 71,9 bzw. 56,2 Prozent.
Als Ursache für die Preiskrise etwa bei Milch machte er vor allem das Russlandembargo, die Ausweitung der Milchproduktion nach dem Wegfall der Milchquote (auch in mehreren EU-Ländern wie Irland und den Niederlanden) sowie die starke Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels aus.
Die Kammer selbst versuche dort zu helfen, wo sie könne, etwa bei der Liquiditäts- und Finanzplanung oder der Förderung, etwa der Verteilung der Direktzahlungen der EU an die Betriebe.
Zu schaffen mache den Bauern aber auch der gesellschaftliche und politische Druck, vor allem in der Tierhaltung, aber zunehmend auch im Ackerbau, Stichwort Glyphosat. „Viele Diskussionen werden nicht sachlich- fachlich, sondern emotional und politisch geführt“, kritisierte er. „Landwirtschaftsromantiker“ und „selbsternannte Experten“ würden häufig das Meinungsbild prägen.
Die Betriebe seien bereit, gesellschaftlichen Wünschen nach mehr Tierwohl oder Umweltschutz gerecht zu werden. Man müsse aber auch zur Kenntnis nehmen, dass hier schon sehr viel passiert sei. „Den Tieren geht es heute wesentlich besser als vor 30, 40 oder 50 Jahren“, sagte er.
Damit es für die Landwirtschaft wieder aufwärts gehen könne, seien zwei Voraussetzungen notwendig, so Schwetje. Zum einen auskömmliche Preise und zum anderen gesellschaftliche und politische Akzeptanz. „Die Landwirte möchten fair behandelt werden“, sagte er.
