Sage/Oldenburg - Die Landwirte sind angesichts der Futter-Verunreinigung mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin wütend – und fordern Konsequenzen. Sie müssten sich darauf verlassen können, dass das Futter, das ihnen geliefert werde, einwandfrei sei, betonte Jörn Dwehus, Hauptgeschäftsführer des niedersächsischen Landvolks, am Montag bei einer Versammlung des Deutschen Verbands Tiernahrung (DVT) in Sage (Kreis Oldenburg). Funktioniere das nicht, werde Kritik an der arbeitsteilig organisierten Agrarwirtschaft gestärkt, sagte Dwehus. Diese Krise sei „ein Angriff auf das Geschäftsmodell“.

Dwehus kritisierte, die Futterproduzenten hätten ihre Abnehmer früher darüber informieren können, dass etwas anliege. Erst am 1. März war bekannt geworden, dass 10 000 Tonnen giftiger Mais aus Serbien zu Futtermittel verarbeitet worden sind.

In der Futtermittelbranche hält man sich derzeit mit öffentlichen Äußerungen zurück. Hinter vorgehaltener Hand wird aber bestätigt, dass das Mais-Problem seit Ende vergangenen Jahres bekannt gewesen sei. „Im Dezember haben wir gehört, dass serbischer Mais angeboten wird – und dass wir vorsichtig damit sein sollen“, sagte ein Futtermittelproduzent der NWZ . Sein Unternehmen habe kein Risiko eingehen wollen und den Mais abgelehnt.

Bauern berichten unterdessen, dass sie bereits vor Wochen Schwierigkeiten gehabt hätten, andere Getreidesorten als Mais an die Futtermühlen zu verkaufen. „Mir sagte man, da sei so viel Mais aus Brake auf dem Markt“, sagt einer, der seinen Roggen nicht losschlagen konnte.

Landvolk-Hauptgeschäftsführer Dewhus warnte: Wenn Ware „günstig“ angeboten werde, sei doppelte Aufmerksamkeit geboten. Generell müssten Lücken bei der Kontrolle der Qualität geschlossen werden. Wenn dies nicht bei einem Flaschenhals wie einer kompletten Schiffsladung gelinge – „wo dann?“


Tatsächlich wäre zunächst der Importeur der Mais-Lieferung zur Kontrolle verpflichtet gewesen. Ob er seine Pflicht vernachlässigt hat, soll nun juristisch geklärt werden; gegen die Firma liegt eine Strafanzeige vor.

Auch die 14 Futtermittelproduzenten wären kontrollpflichtig gewesen. Aber keiner will eine Verunreinigung bei dem Mais bemerkt haben.

Das Landvolk weist daraufhin, dass die Haftung „noch nicht abschließend geklärt“ sei. Jörn Dwehus fordert „adäquate Entschädigungen“. Die Lage könne für Betriebe sonst bedrohlich werden.

DVT-Regionalgruppenvorsitzender Heinz Neesen sagte am Montag, der Verband verurteile die Verunreinigungen „aufs Schärfste“. Vorlieferanten bzw. Importeure seien verantwortlich.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)