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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Bauern sprechen sich Mut zu

11.07.2015

Tarmstedt Alle reden von einer Agrarwende – wenn es sie gibt, dann müsste sie hier doch zu sehen sein: auf der Tarmstedter Ausstellung, der größten Landwirtschaftsschau im Norden, 67 Jahre alt, 700 Aussteller, 100 000 Besucher, ein Volksfest.

Vorn beim Festzelt sieht es aus wie immer, da sind die Jagdhornbläser, der Musikverein und das Riesenrad, auf den Tischen stehen schon um 10 Uhr halbleere Bierkrüge.

Aber was verrät weiter hinten auf dem 18-Hektar-Gelände die Technik über den künftigen Weg der Landwirtschaft? Jahrelang gab es vor allem ein Größer, Höher, Stärker, und natürlich stehen da immer noch diese Riesenschlepper, die Reifen mehr als mannshoch, unter der Haube 320 PS. „Die Straßenverkehrsordnung hat da längst einen Schlusspunkt gesetzt, mehr geht nicht“, sagt Claas Sengstaken vom Landmaschinenhändler Fricke. Und Malte Brüning von der Claas Vertriebsgesellschaft sagt: „Es geht nicht mehr um Kraft, sondern um Intelligenz.“

Er tippt an eines kleines Gerät. „Das ist ein Sensor, der den Ernährungszustand der Pflanze erkennen kann.“ Die Maschine streue damit präzise so viel Dünger aus wie benötigt. Das helfe dem Bauern, und der Umwelt sowieso.

Der Geschäftsführer der Tarmstedter Ausstellung, Dirk Gieschen, hat in diesem Jahr drei Trends ausgemacht: „Mehr Präzision, mehr Tierwohl, mehr Kostenbewusstsein.“ Zumeist geht einer der ersten beiden Trends Hand in Hand mit dem dritten, nicht nur beim Gülle-Sensor. Auch bei den Stallsystem-Entwicklern, die dem Bauern „zufriedene Kühe durch hohen Liegekomfort“ und gleichzeitig Ersparnis durch „bis zu 70 Prozent weniger Einstreu“ und „reduzierten Pflegebedarf“ versprechen.

Wird so also die von Politik und Gesellschaft geforderte Wende aussehen?

Im Festzelt trifft man Hans-Heinrich Ehlen von der CDU, er war sieben Jahre lang Niedersächsischer Landwirtschaftsminister. Er sagt: „Landwirte müssen sich am Markt behaupten. Das heißt: Sie müssen das produzieren, was der Verbraucher verlangt.“ Er wird lauter: „Wir reden immer von einer Agrarwende – wir bräuchten eine Verbraucherwende!“

Im Festzelt spricht auch Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Er will den Bauern Kampfgeist einimpfen: „Wir haben die Branche immer selbstbewusst weiterentwickelt“, ruft er ins Mikrofon. „Wir haben von außen keine Nachhilfe gebraucht, wenn es darum ging, neue Ställe zu bauen für mehr Tierwohl. Weil wir nachhaltig arbeiten!“ Er sagt: Natürlich nähmen die Bauern zur Kenntnis, dass in „Teilen der Gesellschaft“ diskutiert werde. „Wir nehmen diese Diskussion an! Wir hören zu! Wir sind bereit, mit der Gesellschaft und mit der Politik Dinge weiterzuentwickeln! Aber: In diese Diskussion gehen wir nicht mit einer demütigen Haltung!“

Geht es um eine Wende? Aus Sicht der Bauern geht es um Weiterentwicklung, und sie wollen diese Entwicklung selbst vorantreiben. In Tarmstedt tanken sie Mut: Hier sind 100 000 Menschen, um mit ihnen zu feiern. Und nicht, um mit ihnen zu schimpfen.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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