Hannover - Landvolk-Präsident Werner Hilse nimmt kein Blatt vor den Mund. „Wir stehen unter einem enormen Druck“, beschreibt der Verbandschef die wirtschaftliche Lage vieler Höfe in Niedersachsen. Man könne von einer „kleinen Agrarkrise“ sprechen, ergänzt Hilse.
Die größten Problemfelder: immer neue Vorschriften in der Tierhaltung mit Auflagen zu Emissions- und Umweltschutz, die viele Landwirte nicht mehr stemmen können. Investitionen in verlangte Filter oder neue Regelungen für den Bau von Ställen würden Landwirte überfordern angesichts der spärlichen Margen. So hätten in Niedersachsen bereits 40 Prozent der Sauenhalter ihre Ställe aufgegeben. Auch bei der Milchwirtschaft oder in der Veredelung seien die wirtschaftlichen Zwänge groß.
„Die Landwirtschaft ist veränderungsbereit“, versichert Hilse angesichts der aktuellen Agrarminister-Tagung, die bis Freitag in Hannover stattfindet. Nur ein Spagat sei nicht zu schaffen, kritisiert Hilse: Immer mehr Tierwohl, höhere Priorität für Umwelt- und Naturschutz – „aber das alles auf niedrigstem Preisniveau“. So müssten endlich die Lieferbeziehungen zwischen Milch-Erzeugern und den mächtigen Molkereien neu austariert werden, um die Position der Bauern bei der Preisfestsetzung zu stärken. „Eingriffe in die Mengenregulierung“ seien dagegen „nicht mehr zeitgemäß“, betont der Landvolk-Präsident, der andererseits die neue Düngeverordnung auf dem „richtigen Weg“ sieht. Eine Kontrolle der Kreisläufe und der Stoffströme sei notwendig – nicht jedoch ein neues Wassergesetz in Niedersachsen. Diesen Eingriff lehnen die Bauern „strikt ab“.
