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Baumarktkultur mit Pflanzkübeln

Betrifft:

Umfrage zum Thema Traumgärten (NWZ am 28. Juli)

Verschlungene Wege unter großen Bäumen, eine Bank am Teich, Springbrunnen und Wasserfall – so sieht der Traumgarten einiger befragter Leser aus.

Jeder scheint sich sein kleines Sanssouci zurechtzuträumen, weit entfernt von dem Gartenvorstellungen der Reformbewegung in den zwanziger Jahren, als Rohköstler und Kohlrabiapostel der städtischen Zivilisation im Zeichen der Lebensreform den Kampf ansagten.

(...) Doch fragt man sich, ob das romantisierende Fluchtszenario der Interviewten nicht die Zeichen der Zeit verfehlt, die eigentlich nahelegten, einer nivellierenden Baumarktkultur mit ihren Pflanzkübeln, abgekupferten Brunnenfigürchen und Teichfolien zu entgehen und das Stückchen Land, über das man verfügt, wie früher, als Zwiebeln und Tomaten noch nicht bei Aldi wuchsen, zum Anbau von Obst, Gemüse und Salat zu nutzen. Das wäre gesünder – und auch schöner.

Wer je den Bodensee bereist hat und Gelegenheit hatte, die Blumeninsel Mainau mit der Klosterinsel Reichenau, die ja seit dem Mittelalter auf eine große Nutzgartentradition verweisen kann, zu vergleichen, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit ins Grübeln geraten hinsichtlich der Präferenzen einer Gesellschaft, deren Gestaltungsvorstellungen sich reduzieren auf das Schieben vorgefertigter Kulissen und deren Sehnsucht nach einer unverdorbenen Natur sich mit dem Einkauf von vermeintlich unverfälschten Produkten beim bäuerlichen Selbstvermarkter begnügt. Möchte man nicht beim Gang durchs Dorf manchem Besitzer eines standardisierten Einheitsgartens den Spaten ans Herz legen, um das Kurzhaargrün durch Kartoffeln, Salat und allerlei Gemüse aufzulockern (...).

Gerhard Becker

Varel
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