Grossensiel - Alles wieder auf null: Die Zwangsversteigerung der Traditionsgaststätte Haus Weserstrand ist gescheitert. Zumindest vorerst. Auf Nachfrage der NWZ  hat die zuständige Rechtspflegerin Claudia Uhlhorn am Mittwoch mitgeteilt, dass das Verfahren einstweilig eingestellt wird. Damit kommt das Nordenhamer Amtsgericht dem Wunsch der Bausparkasse Wüstenrot nach, die in der Angelegenheit als Hauptgläubigerin auftritt. Die Bausparkasse hat nach einwöchiger Bedenkzeit entschieden, dass sie das vorliegende Kaufangebot in Höhe von 55 000 Euro nicht annehmen will.

Wie berichtet, hatte die Gemeinnützige Nordenhamer Siedlungsgesellschaft (GNSG) bei dem Versteigerungstermin am 6. Mai die höchste Summe geboten. Die Zuschlagsvergabe blieb allerdings offen, weil der Vertreter der Bausparkasse sich darüber noch mit seiner Geschäftsführung abstimmen wollte. Seit Mittwoch herrscht nun Klarheit: Die von der GNSG offerierten 55 000 Euro genügen der Bausparkasse nicht für die Immobilie, deren Verkehrswert sich auf 175 000 Euro beläuft.

Nach Informationen der NWZ  benötigt die Bausparkasse rund 75 000 Euro, um ohne Verlust aus der Sache herauszukommen. In dem Zwangsversteigerungsverfahren hatte sich jedoch gezeigt, dass es keine Interessenten gibt, die zur Zahlung einer solchen Summe bereit sind. Das seit Ende 2012 leerstehende und verwahrloste Gebäude gilt als teurer Sanierungsfall. Zusätzlichen Schaden hatte eine Sturmflut angerichtet, bei der Wasser und Schlamm in den Keller eingedrungen waren.

Auch der GNSG-Geschäftsführer Peter Cordes machte deutlich, dass sein Unternehmen das um 1900 errichtete Haus nicht zu jedem Preis übernehmen will. Die GNSG war auf Betreiben der Stadt Nordenham, die Hauptgesellschafterin des Wohnungsbauunternehmens ist, als Bieterin aufgetreten. Ziel war, das Haus und das 2453 Quadratmeter große Grundstück für die zukünftige Entwicklung des Hafens zu sichern (die NWZ berichtete).

Ob die GNSG bei einer Neuauflage des Versteigerungsverfahrens noch einmal mitbieten wird, lässt Peter Cordes offen. „Unser Herz hängt nicht daran“, sagt er. Mit Blick auf den baulichen Zustand der Immobilie wäre die Bausparkasse seiner Meinung nach gut beraten gewesen, die 55 000 Euro anzunehmen. „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“, sagt der GNSG-Chef.

Norbert Hartfil
Norbert Hartfil Redaktion Nordenham (Leitung)