BECKELN/LANDKREIS - „Foodwatch“ befürchtet illegale Tiermehlexporte. Das Unternehmen Beckmann weist Vorwürfe entschieden zurück.
Von Astrid Kretzer
BECKELN/LANDKREIS - Aufregung gab es gestern um das mittelständische Unternehmen Beckmann aus Beckeln: Die Verbraucherorganisation „Foodwatch“ verdächtigt den Beckelner Betrieb – ebenso wie zwei weitere niedersächsische Unternehmen –, illegal Tiermehl in Nicht-EU-Staaten exportiert zu haben, und stellte nach eigenen Veröffentlichungen über eine Hamburger Anwaltskanzlei am Dienstag Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Anzeige erging auch gegen das Veterinäramt des Landkreises um Leiter Dr. Jochen Vahrenhorst, wo Foodwatch zufolge Genehmigungen ohne Vorliegen der nötigen Voraussetzungen erteilt worden sein könnten. Geschäftsführer Alfons Beckmann wies die Vorwürfe gestern indes entschieden zurück: „Von unserer Seite ist alles absolut legal und behördlich einwandfrei gelaufen“, erklärte er. Kreisveterinäramtsleiter Vahrenhorst nahm unter Hinweis auf das laufende Verfahren nicht Stellung.Foodwatch verdächtigt das Unternehmen, in den Jahren 2004 und 2005 Tiermehle in Drittstaaten als „Petfood“ exportiert zu haben, mit denen es kein bilaterals Abkommen zur Einhaltung des Verwendungszwecks gebe. Die Organisation sieht die Gefahr, dass das Tiermehl an Nutztiere verfüttert worden sein könnte.
Alfons Beckmann sieht sein Unternehmen dagegen auf rechtlich einwandfreier Seite. Aus Beckeln werde kein Tiermehl exportiert, betonte er: „Wir als Beckmann sind weder Produzent noch Exporteur“ – vielmehr werde die Ware am Standort Beckeln nur gelagert und umgeschlagen. Und: Alle Lieferungen seien ordnungsgemäß beim Veterinäramt angemeldet worden: „Es ist alles mit behördlicher Genehmigung gelaufen.“ Beckmann gab sich zuversichtlich, dass alles aufkläre.
Die Firma ist seit mehr als 30 Jahren in Beckeln ansässig. Angefangen hatte es mit der Verwertung tierischer Rohstoffe und Nebenprodukte für Futter- und Düngemittel. Heute sind Hauptsparte die Düngemittel; weitere Standbeine sind Streugut und Abfüllungen als Dienstleister. Beckelns größter Arbeitsgeber und Gewerbesteuerzahler beschäftigt gut 20 Stammkräfte, in der Saison deutlich mehr.
Bürgermeister Heinz Nienaber zeigte sich gestern Abend überrascht und betroffen von den Vorwürfen. Es gehe hier um das inzwischen einzige Vorzeigeunternehmen in der Gemeinde, eine Reihe von Gemeindebürgern sei dort tätig. „Es hat ohne Frage erste Priorität für Beckeln.“
siehe auch Region, S. 12
