Bad Zwischenahn - An diesem Tag sind es gleich acht syrische Flüchtlinge, die Heide Hahn-Reuß und Renate Achenbach am Bahnhof in Empfang nehmen: Neben drei jungen Männern aus Aleppo, zum Teil seit vier Jahren auf der Flucht, steigt am Bahnhof eine Familie mit drei kleinen Kindern aus dem Zug.
Damit sie die ersten Schritte in fremder Umgebung nicht alleine gehen müssen, gibt es das Willkommensteam des Helferkreises Bad Zwischenahn. Der Zusammenschluss Ehrenamtlicher betreibt zudem das Begegnungscafé (montags, 16 bis 17.30 Uhr, Lange Straße 6), den Basar (Spendenannahme freitags, 16 bis 18 Uhr, An den Kämpen 56), erteilt Sprachunterricht und stellt Betreuer.
Vor dem Rathaus – Bana (6), Maram (5) und Jamal (3) haben längst den Bronzewels als Klettergerüst entdeckt, die Erwachsenen sind zur Registrierung im Bürgerbüro – hat Hahn-Reuß etwas Zeit, die Liste der Aufgaben zu erläutern. Und die ist lang: Vor der Ankunft gelte es, die Wohnung zu besichtigen und zu reinigen, fehlende Dinge zu ergänzen, die Nachbarn zu informieren, ihnen die Telefonnummer eines Ansprechpartners zu hinterlassen und Sprachmittler zu finden. Eigentlich ist Hahn-Reuß das „Willkommensteam“. Unterstützt wird sie wechselweise von anderen Freiwilligen. An diesem Tag ist Renate Achenbach dabei, als ehrenamtliche Betreuerin. Die beiden Sprachmittler Mohammad Al Sbih Al Mahameed und Mustafa Kablan übersetzen.
Mit den Vorbereitungen ist es längst nicht getan: die Schutzsuchende am Bahnhof willkommen heißen, sie zur Gemeinde und zur Bank begleiten sind nur die nächsten Schritte. Dabei gilt für Hahn-Reuß vor allem eins: „Erst einmal Vertrauen aufbauen.“
In der Unterkunft erklärt sie wichtige Dinge wie Heizung und Strom, zeigt die nächst gelegenen Einkaufsmöglichkeiten und – nicht zu vergessen – erläutert die typisch deutsche Mülltrennung. Anschließend „übergibt“ sie die Schutzsuchenden an den persönlichen Betreuer. Wenn es einen gibt. Ansonsten übernimmt das „Willkommensteam“ zunächst auch weiter die Begleitung – von Arztterminen bis zur Schulanmeldung. Hahn-Reuß geht dabei vor allem nach einer Devise vor: „Zeit geben und in Ruhe ankommen lassen.“ Denn: „Die Sorge um Verwandte können wird ihnen nicht nehmen. Wir können ihnen aber das Gefühl vermitteln, dass sie ein Stück persönliche Sicherheit haben.“
