Bockhorn - Seit eintausend Jahren, sagt Charlotte Dassler, werden die Wagyu-Rinder in Japan allein auf Fleisch-Qualität gezüchtet. „Das Fleisch schmeckt wie mit eingebauter Soße, danach kann man süchtig werden“, sagt die 24-Jährige. Sie öffnet das Tor zur Weide, auf der die unscheinbaren braunen Rinder grasen.

Schnaubend, aufgeregt und zielstrebig kommen die Tiere angelaufen – kein Wunder, Charlotte Dassler hat einen Futtereimer in der Hand – kein Maismehl, sondern nur Getreide. „Mais hat zu viel Energie. Wir füttern unsere Kühe artgerecht, mit faserreichem Heu und ohne Maissilage“, sagt sie. Sie kennt ihre Kühe alle mit Namen – japanische Namen, versteht sich. Charlotte Dassler kümmert sich um die 13 kostbaren Wagyu-Rinder, die auf dem elterlichen Dressurpferde-Hof stehen. Sie sind unscheinbar, dunkelbraun, vergleichsweise klein – aber was zählt, sind die inneren Werte. „Das Fleisch kostet mindestens 500 Euro pro Kilo“, sagt Charlotte Dassler.

Erst am vergangenen Wochenende hat die Familie bei einer Auktion in Münster zwei neue Tiere erworben – sie sind nicht einmal ein Jahr alt, eines von ihnen hat 20 000 Euro gekostet. Über den Preis eines solchen Rindes bestimmt die Abstammung. Es gibt eine Skala mit genau festgelegten Werten, die definiert, wie weich und zart das Fleisch eines bestimmten Tieres ist, wie viel Fett es einlagert und wie es marmoriert ist. Diese Werte ergeben sich aus der Abstammung.

Bisher haben die Dasslers aber noch keines ihrer Tiere geschlachtet, sie sind noch zu jung oder aber zu wertvoll, denn die guten Kühe sind für die Zucht gedacht. Die Kälber werden als Embryonen in schwarzbunte Milchkühe verpflanzt und von ihnen ausgetragen. Wie genau das funktioniert, kann Charlotte Dassler erklären – sie ist die Kuh-Expertin der vier Dassler-Kinder. „Aber das kam erst spät“, sagt sie und lächelt, denn eigentlich sind Pferde ihre Leidenschaft.

Bevor sie ein Landwirtschafts-Studium und die Ausbildung zur Industriekauffrau begonnen hat, war sie im Junioren-Bereich im Dressur-Bundeskader. Profi-Reiterin will sie aber nicht werden, sie möchte den Rinder- und Dressurpferde-Hof mit ihren Eltern weiterführen, geplant ist ein Hofladen und die Vermarktung des besonderen Fleisches.


Charlotte Dassler will die Kühe zum Beruf machen, sie interessiert sich genauso für die Rinder, wie die Tiere für sie: Die teuren Vierbeiner schleichen neugierig auf der Weide um sie herum. Beobachtet wird die ganze Szene von zwei Rindern der französischen Rasse Blonde d’Aquitaine – es geht eben international zu auf dem Hof Kranenkamp.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales