Oldenburg - Kein wirkliches Ende der Niedrigzinsphase, ein eher schwächelnder Euro, dafür aber weiter steigende Aktienkurse – das ist zusammengefasst die Prognose von Kapitalmarktexperten nordwestdeutscher Kreditinstitute. Von der Tendenz her ist man sich weitgehend einig. So erwarten drei der vier Experten bis zu zehn Prozent Kursgewinne für 2015 beim Deutschen Aktienindex DAX. Aktien: Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank (BLB), ist für deutsche Aktien am positivsten gestimmt. Er sieht die Konjunktur, u.a. durch anhaltend niedrige Zinsen und eine allmählich sich entspannende Ukraine-Krise, anspringen, was die Aktienkurse beflügeln sollte.
Ähnlich argumentiert Carsten Brömstrup, Gruppenleiter Anlagestrategie/Wertpapiere bei der Oldenburgischen Landesbank AG (OLB). Er hebt auch noch die auf den Weg gebrachten Investitionsprogramme in der EU hervor.
Sven Litke, Leiter des Bereichs Vermögensmanagement bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), ist etwas vorsichtiger und warnt vor von der Europäischen Zentralbank (EZB) geweckten Erwartungen der Anleger, „die nur schwer zu erfüllen sind“. Außerdem sei eine „auf ständig höhere Liquiditätszufuhr durch die Notenbanken basierende Aktienhausse auf Dauer ungesund“.
Vor einem Rückschlagpotenzial auf dem derzeitigen DAX-Niveau warnt auch Harald Lesch, von der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems. Euro: Dem Euro traut nur Hellmeyer 2015 ein leicht höheres Niveau zu. Litke und Brömstrup erwarten ein insgesamt unverändertes Wechselkursverhältnis zum Dollar. Die höheren Zinsen im Dollar-Raum sprächen eher für einen etwas schwächeren Euro. „Ein Wiederannähern von NATO und Russland würde aber eine Rallye in den Euro auslösen“, meint Brömstrup.
Für Lesch überwiegen die belastenden Faktoren für den Euro: ein schwächer als erwartetes Wirtschaftswachstum in der Eurozone, ein Vertrauensverlust in die EZB, politische Risiken in Italien und Spanien – „die Liste der Stolpersteine kann lang werden“, so Lesch. Zinsen: Bei den Zinsen erwarten alle Experten bis auf Hellmeyer einen leichten Anstieg. Brömstrup bemüht dafür allerdings das Prinzip Hoffnung: „Hoffnung auf eine verbesserte globale Konjunktur, auf einen sich stabilisierenden Ölpreis und eine Beruhigung des Ukrainekonflikts“. Lesch geht zwar ebenfalls von etwas höheren Zinsen aus, sieht aber durchaus auch noch Druck auf das Zinsniveau durch ein mögliches Aufkaufprogramm von Staatsanleihen durch die EZB und eine anhaltend stagnierende Kreditvergabe in Europa.
Hellmeyer von der Bremer Landesbank ist sogar skeptisch, dass die angedeutete Zinswende in den USA so kommt, wie erwartet und rechnet daher auch für den Euro-Raum mit gleichbleibend niedrigen Zinsen. Bilanz 2014: Die Prognose-Bilanz der heimischen Kapitalmarktexperten für 2014 fällt gemischt aus. Den leichten Zinsanstieg 2012 hatten alle als Wende gesehen und für 2013 weiter steigende Zinsen prognostiziert – damit lagen allerdings alle falsch. Im Gegenteil, die Zinsen fielen weiter auf ein neues historisches Tief.
Beim DAX waren hingegen alle auf der richtigen Seite: es ging 2014 weiter, wenn auch nur leicht, aufwärts. Am nahesten kam dem Jahresendniveau von rund 9900 DAX-Punkten die LzO mit 9800 Punkten. Auch beim Euro-Kurs lagen drei der vier Experten mit ihrer Prognose eines schwächeren Euro richtig. Und auch hier am besten: die LzO mit ihrer Prognose von 1,25 Dollar pro Euro.
