Das Interesse am Thema „Fit bleiben – gesund leben“ war so groß, dass die Sitzplätze im Vortragssaal des Kulturzentrums PFL in Oldenburg nicht ausreichten. Einige Besucher mussten das 46. Gesundheitsforum, das von der Ärztekammer Niedersachsen, Bezirksstelle Oldenburg und der Nordwest-Zeitung veranstaltet wurde, deshalb leider stehend verfolgen. Dies bedauerte auch Wolfgang Grashorn, Vorsitzender der Ärztekammer Niedersachsen, Bezirksstelle Oldenburg, der den Abend moderierte.
Tipps, wie wir im Alter geistig fit und gesund bleiben können, gaben Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage, Professorin für Sportpsychologie an der Technischen Universität Chemnitz, und Privatdozent Dr. Jürgen Bauer, Leiter des Geriatrischen Zentrums Oldenburg und Direktor der Universitätsklinik für Geriatrie. Zudem beantworteten sie Fragen aus dem Publikum zu Ernährung und verantwortungsbewusstem Altern. Hier eine Auswahl der Fragen und Antworten.
Ich bin Mitglied in einer Herzsportgruppe. Unser Training konnte keinen Infarkt oder Schlaganfall verhindern. Einige Mitglieder nehmen zurzeit Mikronährstoffe und Vitamin C ein.
BauerDie Ergebnisse wissenschaftlicher Studien und persönliche Erfahrungen sind oftmals zwei verschiedene Dinge. Auch wenn Sie keine positiven Erfahrungen gemacht haben, sollten Sie die Studien deswegen nicht in Zweifel ziehen.
Mikronährstoffe und Vitamine erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit bei Konsumenten. Die Wirksamkeit einer regelmäßigen Einnahme ist jedoch nicht belegt.
Ist es besser abwechslungsreich zu kochen als völlig auf Fleisch zu verzichten?
BauerIch empfehle eine Mischkost mit Milchprodukten und Fleisch. Wenn sich jemand vegetarisch ernähren möchte, ist das völlig okay. Er sollte dann aber darauf achten, Mangelzustände zu vermeiden. In Deutschland gibt es dafür wunderbare Einkaufsmöglichkeiten. Sie müssen auch keine Angst davor haben, sich mit industriell hergestellten Lebensmitteln zu vergiften. Unsere Lebenserwartung ist trotz Verzehr derselben so hoch wie nie.
Ihre Aussage zu Industrienahrung überrascht mich. Zudem gibt es Studien, die zeigen, dass die hohe Zahl an Krebserkrankungen in unserer Gesellschaft auf den Fleischkonsum zurückzuführen ist. Belegt ist auch, dass die Siebten-Tags-Adventisten, die kaum Fleisch essen, eine höhere Lebenserwartung haben.
Bauer Studien zur Ernährung sind sehr schwierig, weil immer auch andere Aspekte hineinspielen. Die höhere Lebenserwartung der Siebten-Tags-Adventisten kann zum Beispiel auch damit zusammenhängen, dass diese kaum Alkohol trinken und sich mehr bewegen. Eine Studie, die besagt, dass die Krebslast allein auf den Fleischkonsum zurückzuführen ist, disqualifiziert sich selbst.
Ich bin kein Anhänger von industriell erzeugten Lebensmitteln. Ich wollte Ihnen lediglich die Angst davor nehmen. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass diese prinzipiell schädlich sind.
Voelcker-RehageViele Auswirkungen von industriell erzeugten Lebensmitteln können wir noch gar nicht kennen, weil diese Lebensmittel noch nicht lange auf dem Markt sind.
Es gibt einen Trend hin zu Krafttraining für Senioren im Fitnessstudio. Wie beurteilen Sie das?
Voelcker-RehageGrundsätzlich sollte nicht nur die Kraft, sondern auch die Ausdauer und das Gleichgewicht trainiert werden. Ob Krafttraining zu Hause oder im Fitnessstudio durchgeführt wird, ist Geschmackssache.
Der Vorteil von Fitnessstudios ist, dass die Geräte einstellbar sind. Das macht es für Ungeübte einfacher mit der richtigen Belastung zu trainieren. Wenn man die Übungen korrekt ausführt, kann man aber auch zu Hause mit dem eigenen Gewicht, einer Wasserflasche oder ähnlichem erfolgreich trainieren.
Können sie bitte etwas zum Zucker- und Salzkonsum, auch mit Blick auf Industrienahrung, sagen?
BauerDas ist schwierig. Prinzipiell heißt für Menschen über 75 Freude am Leben auch Freude am Essen. Das gilt aber nicht im selben Umfang für Jüngere. Generell sollte man sich diese Freude erhalten; dabei aber Augenmaß walten lassen und starke Schwankungen vermeiden. Nachsalzen ist zu vermeiden, da in Brötchen, Wurst und Käse bereits große Mengen Salz enthalten sind.
Das soziale Umfeld ist wichtig für Fitness im Alter. Inwieweit fördert die Aktivität in Vereinen die geistige Fitness?
BauerDas ist ganz essenziell. Das Leben in der Gemeinschaft und soziale Interaktionen beeinflussen das erfolgreiche Altern positiv. Was diese Angebote angeht ist Oldenburg gut aufgestellt.
Voelcker-RehageEinige Fachleute sprechen sich gegen Denksportaufgaben aus, die allein am Computer oder mit dem Sudoku-Heft geübt werden. Deren Nutzen sei kaum nachgewiesen. Diese Zeit für soziale Kontakte zu nutzen, sei viel sinnvoller.
Was sagen Sie zum Kaffeekonsum? Es hieß ja lange, dass er Flüssigkeit entzieht.
Voelcker-RehageKaffee in Maßen ist kein Problem – es sei denn es gibt Schwierigkeiten bei der Einstellung von Medikamenten gegen hohen Blutdruck. Ansonsten ist das ein schönes Beispiel für einen Mythos der Wissenschaft. Kaffee zählt als Flüssigkeit – auch wenn lange anderes gepredigt wurde. Inzwischen ist auch widerlegt, dass extreme Belastungen beim Sport tabu sind.
