Jever - Bis Jahresende – so hofft Heiko Friedrichs, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe „Pflegebutler“ – soll die Altlastensanierung auf dem Grundstück Mühlenstraße 68 in Jever abgeschlossen sein. Im Frühjahr 2018 könnte dann Baubeginn für die Seniorenwohnanlage sein, eineinhalb Jahre später die Fertigstellung.

In den nächsten Tagen wird das Unternehmen mit Sitz in Friedeburg den Bauantrag einreichen – zwar laufen zurzeit zwei Gerichtsverfahren gegen den neuen Bebauungsplan, den der Stadtrat im September 2016 beschlossen hatte. Doch die Klagen haben keine aufschiebende Wirkung, berichtete Bürgermeister Jan Edo Albers am Donnerstag.

Wie berichtet, plant Pflegebutler auf dem brach liegenden Grundstück entlang der Mühlenstraße den Bau einer Wohnanlage für betreutes Wohnen – mit einem dreigeschossigen Hauptbau mit zwölf Wohnungen sowie zwei weiteren Häusern mit je sechs Wohneinheiten plus Parkplätzen. Insgesamt will die Gruppe gut 13 Millionen Euro investieren.

Verteuert wird das Vorhaben durch die notwendige Altlasten-Sanierung – deshalb hatte Pflegebutler das Hauptgebäude vierstöckig geplant. 12,50 Meter wird es hoch und liegt damit 40 Zentimeter über den Vorgaben des alten Bebauungsplans. Dagegen wehren sich die Anlieger.

Die Stadt Jever dagegen sieht das Bauvorhaben als „echtes Ausrufezeichen am Ortseingang“, sagte Bürgermeister Albers. Deshalb habe der Rat den Plänen auch zugestimmt.

Bei der Altlasten-Sanierung gibt es nun auch Hilfe vom Land: Umwelt-Staatssekretärin Almuth Kottwitz sagte am Donnerstag beim Besuch in Jever zu, dass das Land das Vorhaben mit 95 000 Euro aus dem Fördertopf „Flächen-Recycling“ bezuschusst. „Viele Kommunen haben nicht den Mut, Flächen innerorts zu recyclen“, sagte sie. Das Senioren-Wohnprojekt in Jever gefalle ihr sehr gut: „Es ist vorbildlich, die Fläche zu sanieren“, betonte sie.


Ingenieur Ulf Linnemann, der die Altlasten-Untersuchung 2011 mit mehreren Bohrungen vorgenommen hatte, sprach von der ehemaligen Mülldeponie als „Bürgermeisterkippe“: „Denn bis Anfang der 1970er Jahre hatte ein Bürgermeister zu entscheiden, wo die Abfälle deponiert werden“, erklärte er.

Auch für den Landkreis ist die geplante Sanierung erfreulich: Es sei selten, dass eine Altlast abschließend abgearbeitet wird, und damit ein „Glücksfall“.