Wolfsburg/Hamburg - Die internen Untersuchungen zu den Hintergründen im VW-Abgasskandal sprechen offenbar den damaligen Vorstand von einer Schuld vorerst frei. Dagegen würden aber fast alle Führungskräfte, die in die Entwicklung des betreffenden Motors eingebunden waren, „als belastet“ gelten. Das berichtete „tagesschau.de“ am Montagabend unter Berufung auf Recherchen von NDR und WDR.

Die von VW beauftragte US-Kanzlei Jones Day ist demnach mit ihren Ermittlungen zum Abgasskandal weit vorangeschritten. „In ihren Akten finden sich umfangreiche Aussagen, darunter das als entscheidend eingestufte Geständnis des früheren Chefs des Bereichs Antriebselektronik, der als Kronzeuge gilt“, hieß es bei dem Nachrichtenportal weiter.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig berichtete demnach ebenfalls, es gehe „durchaus voran“ bei ihren Ermittlungen. Sie habe eine Liste von 17 Verdächtigen.

„Tagesschau.de“ berichtete weiter, dass es „bisher keine Belege“ dafür gebe, „dass Vorstandsmitglieder an der Planung beteiligt gewesen sind oder frühzeitig davon erfahren haben“. Das treffe auch auf den damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn zu.

Nach den Recherchen von NDR und WDR soll nach bisherigen Erkenntnissen der Entschluss für den Betrug auf einer Sitzung am 20. November 2006 gefallen sein. Eine Schlüsselrolle soll dabei der damalige Leiter der Motorenentwicklung gespielt haben. Der Manager, der heute pensioniert ist, soll laut Teilnehmern der Sitzung den Einbau der umstrittenen Technik gebilligt haben. Eine Anfrage von NDR und WDR beim Ex-Motorenchef dazu sei „unbeantwortet“ geblieben. Er soll bei früheren Befragungen ausgesagt haben, dass er sich an den Inhalt der Sitzung im Jahr 2006 nicht erinnern könne.


Den Recherchen zufolge sollen 2008 die ersten Motoren in den USA serienmäßig mit der Betrugssoftware ausgestattet worden sein. Ab 2011 hätten VW-Mitarbeiter die Software noch weiterentwickelt. Die Ingenieure seien mit der geringen Effizienz ihrer 2008 eingebauten Betrugssoftware unzufrieden gewesen, heißt es in einer Mitteilung des NDR.