Oldenburg - Die Beraterbranche spürt die Grenzen des Wachstums. „Der Markt hat bald eine Sättigung erreicht“, sagte Hans Jürgen Heinecke, Geschäftsführer der TPO Unternehmensberatung, am Freitag beim vierten Beratersymposiums an der Universität Oldenburg. Wirtschaftskrise, Nachwuchssorgen, Gesundheit: Die Entwicklungen gingen nicht an der Branche vorbei, so Heinecke. Deswegen sei beim Symposium die „Verknüpfung von Studierenden und Praxis“ wichtig, sagte Professor Dr. Reinhard Pfriem, Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensführung.
Zur Eröffnung des Symposiums mit Seminaren und Workshops hatten zuerst die Praktiker das Wort bei einer Podiumsdiskussion mit Doris Kirch, Leiterin des Deutschen Fachzentrums für Stressbewältigung, Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung (DFME), Jochen Retzkowski, Geschäftsführer Varelmann Beratungs-GmbH (Oldenburg), Julia Tzanakakis vom Beratungs-Unternehmen Ernst & Young, Gunnar Barghorn, Geschäftsführer Barghorn GmbH (Brake) und Jörg Butt, ehemaliger Fußball-Profi, der eine ungewöhnliche Perspektive bieten sollte. Heinecke moderierte.
In der weitgehend harmonische Runde sorgte Barghorn als Vertreter des „konservativen Mittelstandes“ (Tzanakakis) für einige Kontrapunkte. Für ihn seien Inhalte wichtig, nicht die Verpackung. „Bei einem Unternehmen, das ausschließlich im deutschsprachigen Raum tätig ist, kommen zu viele Anglizismen nicht besonders gut an.“
Kein Hinderungsgrund für Tzanakakis, die bei Anforderungen an Berater bei Flexibilität und Leistungsbereitschaft ein „tick in the box“ („Häkchen im Kasten“) machte und „high-performing“ betonte.
Ansonsten herrschte Einigkeit: In den Fokus müsse die Balance zwischen Arbeit und Leben rücken. „Wenn Ihnen etwas keinen Spaß macht, wird Sie das irgendwann einholen“, gab Retzkowski allen Jung-Beratern mit. Bei Butt ist das längst angekommen. Trainerschein und BWL-Studium in Oldenburg sind abgeschlossen. Jetzt sammelt er Erfahrungen im Großenkneter Betrieb seines Vaters. Einen Spielerberater hatte er während seiner aktiven Zeit übrigens nicht.
Doch auch die Unternehmen sollten sich nach Meinung der Teilnehmer ändern: Die Devise „40 Stunden sind Pflicht, 60 währen besser“ (Kirch) sei kontraproduktiv.
