Berlin - Der Stein ist ins Wasser geworfen und zieht Kreise: Die IG Metall hat eine Vier-Tage-Woche ins Gespräch gebracht. Im Blick hat ihr Vorsitzender Jörg Hoffmann mit seinen Plädoyer für eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit zwar in erster Linie Branchen wie die Autoindustrie, die sich mitten in einem Strukturwandel befinden. Doch auch für Betriebe, die unter der Corona-Krise leiden, weil ihnen die Nachfrage wegen der Pandemie weggebrochen ist, könnte das ergänzend zur Kurzarbeit ein zusätzliches Instrument zur Abfederung darstellen.
Beim zuständigen Arbeitgeberverband Gesamtmetall will man sich lieber noch nicht positionieren. „Wir sagen dazu derzeit nichts“, war von dort zu hören.
Die Bundesregierung
Die Bundesregierung blieb zurückhaltend, ohne den Vorschlag aber abzulehnen. Es sei Sache der Tarifpartner, ohne staatliche Einmischung „passgenaue Lösungen“ für Branchen und Betriebe zu finden, teilte das Bundesarbeitsministerium mit.
Die SPD
In der SPD stieß der Vorschlag auf ein positives Echo. „Ich habe durchaus Sympathie dafür“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Bernd Westphal, unserem Berliner Büro. „Man muss sich natürlich die einzelnen Branchen dabei differenziert ansehen.“ Zudem gebe es einen verbreiteten Mangel an Fachkräften. Dort, wo der Produktivitätsfortschritt das aber erlaube, könne eine Verkürzung der Arbeitszeit ökonomisch und technologisch, aber auch sozialpolitisch Sinn machen.
Die Linke
Die Linken sehen das Instrument ebenfalls positiv. In einem Papier, zu dessen Autoren Parteichefin Katja Kipping gehört, heißt es: „Zudem brauchen wir eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche in Vollzeit, um die Produktivitätsfortschritte allen zugutekommen zu lassen und allen ausreichend Zeit für Familie und Sorgearbeit, für politische Einmischung, persönliche Weiterbildung und Muße zu ermöglichen.“
Die Grünen
Positiv reagierten ebenso die Grünen. Deren zuständige Sprecherin in der Fraktion, Beate Müller-Gemmeke, forderte: „Der Vorschlag der IG Metall sollte ernsthaft diskutiert werden. Natürlich ist es besser, die Arbeitszeit zu verkürzen, statt Beschäftigte in Arbeitslosigkeit zu entlassen.“
Union und FDP
Ablehnung kam dagegen aus dem Unions- und dem FDP-Lager. Der CDU-Wirtschaftsrat hält die Debatte für „nicht zielführend“. Sein Generalsekretär Wolfgang Steiger machte gegenüber unserem Berliner Büro deutlich: „Generell ist Arbeitszeitverkürzung sicherlich nicht der richtige Weg.“ Jede Form des Lohnausgleichs treibe die Lohnkosten nach oben und gefährde damit letztlich Arbeitsplätze.
Ähnlich sehen es die Liberalen. „Eine Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich wäre gerade in der jetzigen Krise Gift für viele Unternehmen, die ja schon heute um ihre Existenzen kämpfen müssen“, sagte der Vize-Fraktionschef Michael Theurer unserer Redaktion in Berlin.
