BERLIN - BERLIN/AFP/DPA - Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ist – wie erwartet – neuer Chef des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn. Wie das Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte, tritt Müller die Nachfolge von TUI-Chef Michael Frenzel an. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA begrüßten die Personalentscheidung. Sie forderten Müller auf, für den Zusammenhalt von Bahnbetrieb und Schienennetz unter dem Dach der Bahn einzutreten.

Kritik kam von den Grünen. Sie kritisierten die enge Verbindung Müllers zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Bahnchef Hartmut Mehdorn forderte den Aufsichtsrat auf, ihn bei seinen Plänen für einen Börsengang zu unterstützen. Die Neubesetzung der Aufsichtsrats-Spitze war nötig geworden, nachdem TUI-Chef Frenzel sich mit Mehdorn überworfen hatte. Grund war seine Entscheidung, die Kesselwagen-Tochter der TUI trotz einer Offerte der Bahn nach Frankreich zu verkaufen.

Der neue Oberkontrolleur bei der Bahn gilt als erfahrener Grenzgänger zwischen Wirtschaft und Politik. Nach Tätigkeiten bei den Energieunternehmen RWE und Veba leitete der parteilose Müller von 1998 bis 2002 das Bundeswirtschaftsministerium. Anschließend ging er zum Essener Bergbauunternehmen RAG.

Im operativen Geschäft legte die Bahn seit Jahresbeginn zu. Bis Ende Mai habe das Betriebsergebnis bereits die Gewinnzone erreicht, nachdem im Vorjahreszeitraum noch Verlust angefallen war. Der Umsatz liege ebenfalls deutlich höher. Genauere Angaben gab es nicht.