BERLIN - Die Verhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt haben sich dramatisch verändert – zugunsten der Jugendlichen. Für Unternehmen hingegen wird es zunehmend schwierig, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Das wurde am Montag bei Bilanzen auf Bundes- und Regionsebene deutlich.

„Die Betriebe in der hiesigen Region bilden so viel aus wie nie zuvor“, lautete das gemeinsame Fazit der Arbeitsagentur Oldenburg, der Handwerkskammer Oldenburg (HWK), der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK/Oldenburg). Einhellig lobten die Vertreter der Kammern die Anstrengungen der regionalen Wirtschaft bei der Schaffung von Ausbildungsplätzen.

Im Berufsberatungsjahr 2010/2011 wurden im Agenturbezirk Oldenburg (mit Ammerland, Wesermarsch, Kreis Oldenburg und Delmenhorst) 15 Prozent mehr Ausbildungsplätze gemeldet als im Vorjahr, insgesamt 3999. Die Zahl der bei der Agentur registrierten Bewerber ging indes um 1,8 Prozent auf 5339 zurück ging.

Der Agenturbezirk Vechta (Kreis Vechta und Cloppenburg) meldete mit 2795 Ausbildungsplätzen sogar 18,4 Prozent mehr. Zugleich sank die Zahl der registrierten Bewerber um 94 auf 2564.

Der Chef der Arbeitsagentur Oldenburg, Berndt Wozniak, freute sich über die höchsten Ausbildungsquoten in Niedersachsen. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal der Region.“


Heiko Henke, stellvertretender HWK-Hauptgeschäftsführer, sagte, aus Sicht der Jugendlichen sei die Entwicklung erfreulich. „Die Betriebe müssen sich allerdings sehr anstrengen, um künftig ihre Stellen zu besetzen.“ Dennoch verzeichnete die Oldenburger Handwerkskammer bis Ende Oktober 3251 neue Lehrverträge. Das bedeutet ein Plus von 3,5 Prozent.

Bei den „grünen Berufe“ im Bereich Agrar und Hauswirtschaft hat sich die Zahl der Auszubildenden um zwei Prozent auf 6269 erhöht. Die Nachfrage, vor allem in der Landwirtschaft, stagniere auf hohem Niveau, sagte Edda Albers, Leiterin des Fachbereichs Aus- und Fortbildung sowie Landjugend der LWK.

Die Oldenburgische IHK verzeichnete mit 4687 neuen Ausbildungsverträgen ein Plus von 9,2 Prozent. Im boomenden Oldenburger Münsterland waren es 13 Prozent. Der IHK-Geschäftsführer für Aus-und Weiterbildung, Dr. Thomas Hildebrandt, erklärte: „Ausbildung und Qualifizierung haben ihren festen Platz in der Unternehmensstrategie.“ Im Wettbewerb um die besten Auszubildenden hätten jene Firmen, die sich einen guten Ruf als Ausbildungsbetrieb erarbeitet haben, die besten Chancen.

Auch schwächere Bewerber werden nach Meinung von Heiko Henke von der gegenwärtigen Ausbildungsmarktsituation profitieren. Sie würden auch von den Agenturen gefördert und für den Arbeitsmarkt qualifizierbar gemacht.

Wozniak riet Jugendlichen, die 2012 eine Ausbildung beginnen wollen, sich zügig zu bewerben – und bei der Berufsberatung zu melden.