BERLIN - Opel ist einstweilen gerettet – also alles eitel Sonnenschein? Der langen Verhandlungsnacht, die mit einer staatlichen Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro für eine Treuhandlösung den Durchbruch brachte, folgte am Wochenende erst einmal Kleinkrieg in Angela Merkels Ministerriege.
Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) attackierte SPD-Verhandlungsführer Frank-Walter Steinmeier, weil er sich zu früh auf Magna festgelegt und damit die Verhandlungsposition geschwächt habe. Steinmeier reklamierte die Hilfe für Opel als Erfolg für sich. Er sei es gewesen, der frühzeitig objektive Kriterien für die Entscheidungsfindung vorgelegt habe.
Zunächst hatte es zufriedene Gesichter gegeben – bei fast allen Beteiligten. Das Rettungspaket für Opel steht – nach zähen nächtlichen Verhandlungen bei Salzstangen und Käsewürfeln. „Eine gute Nachricht", meinte Angela Merkel. Opel war gerade noch rechtzeitig vor der General-Motors-Insolvenz aus GM herausgelöst worden.
Aufatmen bei den Beschäftigten in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach. Immerhin will der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna alle vier deutschen Standorte erhalten. Offenbar soll etwa jeder zehnte der rund 26 000 Opel-Arbeitsplätze entfallen.
Einer wollte nicht den Durchbruch feiern: Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Der CSU-Mann hatte bis zuletzt für eine geordnete Insolvenz plädiert, hinter verschlossenen Türen sogar mit Rücktritt gedroht. Nicht wenige Unionspolitiker vertreten die These, mit der Entscheidung in Sachen Opel habe man die Unschuld verloren, sei erpressbar geworden.
Bundesregierung, IG Metall und Autoexperten bescheinigen Opel Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft. GM-Europachef Carl-Peter Forster betonte, dass mit der Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro der Betrieb während des Aufbaus der neuen Opel/Vauxhall-Gesellschaft fortgeführt werden kann.
Das Konzept besteht aus drei wesentlichen Einigungen: einem Vorvertrag zwischen GM und Magna, der zusammen mit russischen Partnern bei Opel einsteigt (siehe Info-Box), einem Treuhand-Vertrag sowie einem Konsortialvertrag für den staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro. 600 Millionen dazu steuern NRW und Hessen bei.
Magna will kurzfristig benötigte Finanzmittel in Höhe von 300 Millionen Euro nächste Woche bereitstellen, ehe das Geld aus dem staatlichen Zwischenkredit fließt.
Europäischer Geschäftsführer der neuen Treuhandgesellschaft, die die europäischen GM-Teile verwalten soll, wird der Sanierungsexperte Alfred Hagebusch aus der Kanzlei Wellensiek.
