BERLIN - Im laufenden Ausbildungsjahr droht nach Ansicht der Bundesregierung eine Lücke von mehr als 200 000 Lehrstellen: Für rund 832 400 Schulabgänger stehen voraussichtlich nur 623 000 Ausbildungsplätze bereit. Dies geht aus dem am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossenen „Berufsbildungsbericht 2008“ hervor. Im Vorjahr waren 626 000 neue Ausbildungsverträge unterschrieben worden – der
zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung.
Ein unverändert großes Problem seien Altbewerber, die bislang keine Lehrstelle bekommen haben und deshalb Warteschleifen drehen. Rund 385 000 Jugendliche hatten 2007 die Schule bereits vor mindestens einem Jahr verlassen. Bis zu 100 000 Altbewerbern will die Regierung jetzt mit einem neuen Ausbildungsbonus eine Lehrstelle verschaffen. Dafür können Firmen eine Prämie von 4000 bis 6000 Euro bekommen.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla lobte das Modell: „Jetzt ist es an den Betrieben, diese Möglichkeiten auszuschöpfen.“ Gewerkschaften und Arbeitgeber lehnen jedoch den Bonus ab. Nach ihrer Ansicht wird das Problem der schlechten schulischen Leistungen dadurch nicht gelöst.
Vor einer gänzlich anderen Situation warnt dagegen Hanns-Eberhard Schleyer. In Ostdeutschland, so der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), werde es bereits 2008 einen deutlichen Mangel an Ausbildungsplatzbewerbern geben, „in den alten Bundesländern erst in drei Jahren“.
