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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Volkswagen will Batterien in Niedersachsen bauen

15.05.2019

Berlin /Bremen /Emden Die Weichenstellung erfolgte nicht auf der VW-Aktionärsversammlung am Dienstag im City Cube auf dem Messegelände am Berliner Westrand, sondern bereits am Vorabend knapp zehn Kilometer entfernt. Bei Linseneintopf machte der Aufsichtsrat in einem Luxushotel in Berlin-Mitte den Weg frei für den Einstieg von Volkswagen in die massenhafte Batteriezellfertigung in Norddeutschland. Der Aufsichtsrat bewilligte ein Investitionsvolumen von etwa einer Milliarde Euro für das ostniedersächsische Salzgitter. Bei Umsetzung würde VW sich in Sachen Batteriefertigung an die Spitze der deutschen Autoindustrie setzen. Bislang wird das Geschäft von asiatischen Zulieferern dominiert.

Chance für Emden

Die Fabrik soll zusammen mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt betrieben werden, etwa 700 Jobs bringen und binnen drei Jahren produzieren. Das Werk soll komplett mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Für das strukturschwache Salzgitter, wo wegen der E-Offensive im VW-Motorenwerk mittelfristig 7000 Stellen gefährdet sind, sind dies „positive Signale“, erklärte VW-Aufsichtsrat und SPD-Ministerpräsident Stephan Weil am Montagabend.

Eine Absage an andere möglichen Standorte wie Emden, wo VW sein Werk komplett auf E-Mobilität umstellt, sei die Entscheidung für Salzgitter allerdings keinesfalls.

„Es gibt keinen Futterneid bei uns. Es ist vollkommen in Ordnung, dass in einem Werk, in dem alle Arbeitsplätze auf der Kippe stehen, zuerst eine Batteriezellenfabrik entsteht“, sagte Andreas Dick, Werkleiter VW-Emden, am Dienstag bei der Automobilkonferenz der IG Metall Küste in Bremen. Man hoffe natürlich, „dass die zweite Fabrik in Emden entsteht“, vor allem, weil sich der Standort mit regenerativen Energien „sehr gut dafür eignet“, erklärte Dick.

Die Fabrik wäre ein wichtiges Signal für die Mitarbeiter in Emden, denn einen Stellenabbau habe es dort bislang noch nicht gegeben, erklärte Meinhard Geiken, Bezirksleiter IG Metall Küste.

Denn „wichtig sind für uns die Parameter Wirtschaftlichkeit und die Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien. Da ist natürlich auch Emden ein attraktiver Standort“, sagte Beschaffungsvorstand Stefan Sommer. Konzernchef Herbert Diess lobt den Norden Deutschlands als „prädestiniert“, da Windstrom mittlerweile konkurrenzfähig sei. Tatsächlich braucht Volkswagen weit mehr Kapazität als die in Salzgitter zunächst geplanten zehn Gigawattstunden Speicherkapazität. Insgesamt braucht die E-Offensive des Konzerns auf Dauer aber wohl 150 Gigawattstunden.

An der E-Offensive will Konzernchef Diess trotz Kritik nicht rütteln: „Es ist der einzige Weg, dem Auto Zukunft zu geben“, betonte er. Auch der überwiegend ergrauten VW-Aktionärsschar im City Cube sprach Diess mit klaren Worten, die man auch auf einer „Friday for Future“-Demo erwarten könnte, ins Gewissen: Nur mit sauberen Autos habe individuelle Mobilität eine Perspektive. „Wir befinden uns in einer Zeitenwende: Der Klimawandel ist die zentrale Herausforderung der Menschheit. Wenn wir die CO2-Emissionen nicht signifikant senken, wird das verheerende Folgen für die nächste Generation haben“, sagte Diess.

Allerdings steht das Investment unter Vorbehalt: VW drängt die Politik, die stromintensive Produktion wie bereits Stahl- oder Aluminiumwerke von der EEG-Umlage zu befreien. Nur so ist es nach Ansicht des Konzerns möglich, die Vorherrschaft asiatischer Produzenten im Markt zumindest zu relativieren.

Die Politik will auch liefern: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil forderte mehr E-Ladesäulen und kündigte für kommenden Freitag eine Bundesratsresolution zugunsten der Batteriezellfertigung an.

Steigende Dividende

Die Hauptversammlung am Dienstag verlief eher unaufgeregt. Mehrere Aktionärsvertreter lobten starke Zahlen und die langsam wieder auf Vor-Dieselgate-Niveau kletternde Dividende, auch wenn die Ausschüttung von knapp fünf Euro pro Papier vielen noch zu niedrig ist. Der Vorstand musste sich aber auch reichlich Kritik anhören: Fondsmanager monierten, dass der Konzern wegen des Dieselskandals weiter von der Justiz getrieben sei.

BUND-Experte Jens Hilgenberg verwies im Auftrag der Kritischen Aktionäre darauf, dass der Dieselskandal noch lange nicht ausgestanden sei. Auch wenn Hilgenberg die Investitionen in die E-Mobilität ausdrücklich lobte, kritisierte er die Konzen­tration auf größere und höherpreisige E-Modelle.

VW ist indes mit anderen Weichenstellungen beschäftigt, die für die Ausrichtung Volkswagens noch bedeutender werden könnten als der Einstieg in die Batteriezellfertigung: Die unter anderem aus Scania und MAN geschmiedete Lkw-Sparte mit dem Kunstnamen Traton soll ihren im März abgesagten Börsengang jetzt doch bis August vollziehen. Das Traton-Management will Weltmarktführer werden und hofft, sich als Aktiengesellschaft besser mit internationalen Partnern verbünden zu können.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
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