BERLIN/BREMEN/JEVER - BERLIN/BREMEN/JEVER - „Billig will ich“ heißt es nun auch beim Bier. Bei eingefleischten Biertrinkern zwar immer noch verpönt – doch das Bier in Plastikflaschen von Aldi, Penny oder Lidl ist in Deutschland auf dem Vormarsch und macht den unter sinkendem Bierabsatz leidenden Traditionsmarken das Leben schwer. In Zeiten knapper Haushaltsbudgets kaufen die Verbraucher lieber das „Sixpack“ für weniger als zwei Euro und nehmen dabei auch Geschmackseinbußen hin.
Schon jetzt haben die Billigangebote einen Anteil von etwa 20 Prozent am deutschen Biermarkt, bis 2015 könnte es sogar doppelt so viel sein, prognostizieren Experten von Ernst & Young. „Der Geiz im Supermarkt hat stark zugenommen“, klagt der Deutsche Brauerbund. Die Angebote von global agierenden Braukonzernen oder Lebensmitteldiscountern werden zu Preisen verkauft, die in vielen Brauereien nicht annähernd die Kosten decken. Die Zahl der Billigbieranbieter ist aber noch nicht genau auszumachen.
Grund für den Erfolg der Billigbiere sei nicht nur die wirtschaftlich schwierige Situation, sagt Branchensprecherin Birte Kleppien. Auch die Schnäppchenjagd-Mentalität spiele eine große Rolle. Die Konsumenten müssten sich nun entscheiden, ob sie nur ein billiges oder auch ein gutes Bier trinken wollen.
Unter den Handelsmarken Adelskrone (Penny), Grafenwalder (Lidl) oder Karlskrone (Aldi) stehen die Billigangebote in den Regalen der großen Lebensmitteldiscounter. Durchschnittlich kostet eine 0,5-Liter-Flasche nur halb so viel wie traditionelle Biermarken. „Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Die allgemeine Preisorientierung der Kunden ist auch beim Bier zu spüren“, heißt es bei der Penny-Mutter Rewe. Masse statt Klasse heißt es auch bei der bayerischen Brauerei Oettinger, die sich aber keineswegs als Billiganbieter verstanden wissen will. Oettinger ist mittlerweile das meistgetrunkene Bier in Deutschland. In vielen Supermärkten kostet ein Kasten noch nicht einmal fünf Euro. Das Rezept der Bayern: Keine Werbung, keine
Zwischenhändler. An Kneipen und Hotels wird grundsätzlich nicht verkauft und damit auch das Geld für Bierdeckel oder Leuchtreklamen gespart. Stattdessen werden täglich 10 000 Supermärkte, Tankstellen und Getränkeshops beliefert. Außer in Oettingen wird noch in Gotha, Dessow, Schwerin und Mönchengladbach produziert, was auch die Transportkosten deutlich reduziert.
Beim Brauhaus in Jever setzt man dem Billig-Trend das Markenbewusstsein der Kunden entgegen. „Jever ist ein Premium Bier. Wir sehen uns in einem ganz anderen Segment“, sagt Jever-Sprecherin Ira Beckmann. So genannte Konsumbiere, die preislich zwischen den billigen und den teuren Bieren liegen, seien stärker bedroht. Man werde die Marke Jever weiter pflegen und nicht mit dem Preis runtergehen.
Gleiches gilt für Beck’s. „,Geiz ist geil‘ ist nicht unsere Welt“, so Jörg Schillinger, Sprecher von InBev Deutschland in Bremen. Beck’s habe in den vergangenen vier Jahren mehrmals den Preis erhöht, und die Händler und Kunden hätten das mitgetragen. Um ein starkes Markenbild aufzubauen, werde weiterhin mit starkem Werbedruck gearbeitet.
